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Bücherberg

Bücher rund ums Frauenbergsteigen

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Ausgewählte Bücher, die besondere Geschichten von besonderen Frauen erzählen. - Frauen in den Bergen: Solche, die schon im 19. Jahrhundert auf Geschlechterschubladen gepfiffen haben oder solche, die im 21. Jahrhundert Außergewöhnliches erreichen. Und ihre Leidenschaft leben. Diese Liste wird immer wieder ergänzt. Außerdem ein Tipp zum Weiterlesen und -hören: "Von den unsichtbaren Frauen" im Jubiläums-Blog zum 150-jährigen Bestehen des Alpenvereins.   (Die Bibliothek ist wegen umfassenden Umbauten des Alpinen Museums bis voraussichtlich Mitte 2023 geschlossen.) 

Gerald Aichner: Die TuXa

Monographie

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Die Hommage eines Bergfreundes und Alpensvereinsmenschen an seine Heimatberge zeigt in überbordender Vielfalt, wie viele Facetten diese Leidenschaft haben kann. Ein illustrer Kreis von Grußwortgebern eröffnet dieses Buch: Dr. Andreas Ermacora, Präsident des ÖAV; Robert Renzler, sein Ex-Generalsekretär; Dr. Franz Fischer, ehemaliger österreichischer Landwirtschaftsminister. Sie belegen die Bedeutung des Autors und seines Anliegens. Gerald Aichner ist Journalist, Bergsteiger und leitete lange die ÖAV-Sektion Hall in Tirol, der die Lizumer und die Glungezer Hütten in den Tuxer Alpen gehören. Jahrzehntelang war er in diesem Gebirgsstock über seiner Haustür unterwegs, hat den Inntaler Höhenweg, die „seven Tuxer summits“ oder die „Via Venezia Alpina“ mit entwickelt – und widmet diesen Bergen, deren Schutz ihm am Herzen liegt, nun ein 384 Seiten starkes Porträt.   Die fast voralpin wirkenden Tuxer Alpen enthalten die größte und wichtigste Almregion von Tirol (neben den Kitzbühelern), sind jenseits der Almen aber weitgehend unerschlossen und eignen sich so als Rollenmodell für sanften Tourismus. Von den Innsbrucker Olympia-Skistätten einmal über den nächsten Grat geschaut: Schon ist man in nahezu ursprünglichen Naturlandschaften, wo die „Glockenblume vom Mont Cenis“ ihr östlichstes alpines Vorkommen hat und die „Anemone vom Monte Baldo“ ein nördliches. In 32 Kapitel ist das Buch unterteilt; jedes davon ist seinerseits ein Sammelsurium von Erlebnissen, Wissenwertem, Amüsantem – und alle zusammen zeichnen sie ein umfassendes Bild dieser alpinen Landschaft wie das eines Menschen, der von ihr begeistert ist. 

Werner Bätzing: Das Landleben und „Bibliographie Alm- und Alpwirtschaft“

Sachbuch

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„Geschichte und Zukunft einer gefährdeten Lebensform“, so untertitelt der renommierte Alpenforscher sein neuestes Buch – und entwirft ein vitales Zukunftsbild für das Leben außerhalb der Städte. Das Land – die Klischees sind schnell zur Hand: abgehängte Peripherie, übernutzte Agrarindustriefläche oder romantischer Sehnsuchtsort. Werner Bätzing, Geograph und Alpenforscher, stellt dem seine Forderung entgegen: „Für mich sind Stadt und Land zwei unterschiedliche, jedoch gleichwertige Lebens- und Wirtschaftsräume, die jeweils unterschiedliche Vor- und Nachteile besitzen, die voneinander abhängig sind und sich wechelseitig ergänzen und die nur gemeinsam ein „gutes Leben“ ermöglichen.“ Das Land solle nicht verstädtern und nicht auf die Funktionen Naturschutz und Erholung reduziert werden, sondern langfristig ein lebenswerter Lebens- und Wirtschaftsraum mit dezentralen Strukturen bleiben.   Um diese Ideen abseits von Vorurteilen und Verklärung auszubreiten, skizziert er zunächst die Geschichte des „Landlebens“: beginnend mit dem Wandel von der Jäger- und Sammlerkultur hin zu Sesshaftigkeit und Ackerbau. Die anschließende Entstehung von Städten und Hochkulturen habe dann das Land grundsätzlich entwertet, „obwohl es die Grundlage allen städtischen Lebens darstellt“. Da das Buch eine hauptsächlich europäische Perspektive einnimmt, untersucht er dann die hier gegebene Sonderentwicklung im Mittelalter, die das Landleben aufwertete – bis die Industrielle Revolution ein „Ende der Fläche“ brachte: Kohlebeheizte Dampfmaschinen konnten auf relativ kleinem Raum extrem viel Arbeit leisten und Wertschöpfung erzeugen. Nach dem Zweiten Weltkrieg konstatiert Bätzing für die BRD eine „forcierte Modernisierung (Verstädterung)“ des ländlichen Raumes – gefolgt von einem „großen Trendbruch“ der 1980er Jahre, bei dem noch offen sei, ob die Veränderungen „das Landleben wirklich aufwerten oder ob sie lediglich ein Idyll auf dem Land inszenieren“. 

Edition Hubatschek: Das alte Tux

Bildband

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Dass ein Bergbauernleben kein Geißenpeter-Idyll ist, sollte bekannt sein. Wie genau es ausgesehen hat, vor noch gar nicht allzulanger Zeit, das hat die Fotografin Erika Hubatschek dokumentiert. „Das Leben, wie es früher war. Nicht lange ist’s her, aber so weit weg.“ So zitiert Irmtraud Hubatschek im Einleitungstext zu diesem Buch einen Kärntner Bauern. Seit 1939 fotografierte ihre Mutter Erika (1917-2010), promovierte Geografin, das Leben von Bergbauernfamilien in den österreichischen Alpen. 1942 kam sie erstmals, vom heutigen Bergsteigerdorf Schmirn über das Tuxerjoch, nach Hintertux – und dann immer wieder. Auch die Tochter (*1960), die heute das fotografische Vermächtnis hütet, war später oft dabei und schloss Freundschaften mit den Kindern im Tal; vielleicht ein Grund, in diesem großformatigen Bildband jenen Menschen ein Denkmal zu widmen.   „Möge dieses Buch nicht als nostalgisches Eintauchen in „die gute alte Zeit“ verstanden werden, sondern als flammendes Plädoyer für eine fortdauernde – oder auch neue – Wertschätzung von Arbeit und Leben der Tuxer und Tuxerinnen vergangener Zeiten!“ Unter diesem Motto porträtieren die Fotos die Orte im Tal: Hintertux, Juns, Lanersbach – und die Arbeit auf den Berghöfen. Etwa das Heumachen, damit das Vieh im Winter sein Essen hatte: Das Heu – mit der Schneide der Sense gemäht, nicht mit Kraft … – musste abends zu Häufen geschoben werden, damit es nicht vom Tau nass wurde, und morgens wieder zum Trocknen ausgebreitet. In „Heutristen“ fermentierte es und verlor an Gewicht, dann wurde es auf Holzschlitten gepackt und den Hang hinabgebremst; an Gegensteigungen nahmen die Männer den 100 Kilo schweren Heubock auf die Schultern. Oder die Flachsarbeit: Zuerst wurden die Flachsstengel über einem Feuer vorsichtig geröstet, dann trennten die Bäuerinnen auf der „Bregglbank“ Fasern und Holziges, schlugen mit der „Pritsche“ die letzten Holzteile aus und kämmten beim „Hacheln“ die kurzen „Werch“-Fasern aus, dann konnte der Flachs zu Leinen versponnen werden. Abends hatte man immerhin Zeit für einen „Huagachtn“, den Ratsch beim Nachbarn, bevor man ins kalte Bett kroch – und „wia a Regnwurm bische zommgschloffn“. 

Berge für alle – Literatur zum Thema Inklusion

Mit Handicap auf den Berg

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Der Sommer naht. Zeit, die Berge im Kopf wieder im echten Leben zu erklimmen.Aber was ist mit Menschen mit Behinderung? Auf welche Berge/Hürden treffen sie im Sport und in unserer Gesellschaft? Blind, amputiert oder im Rollstuhl, gehörlos oder kognitiv beeinträchtigt – im Kleinen wie im Großen zeigen verschiedenste (Lebens-)Geschichten, wie Berge und Behinderungen zusammengehen. Eine Auswahl an Büchern stellen wir hier vor:   

Wandern für jeden Geschmack

div. Wanderführer

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Unermüdlich sind die Autor*innen und Verlage mit ihren Vorschlagsbüchern für Wanderungen jeglicher Schwierigkeit – und noch selten waren die alpinen Ziele so begehrt wie heute. Wir stellen vor, was sich in den letzten Monaten auf dem Redaktionstisch gesammelt hat.

Wandern ohne Ende

div. Wanderführer

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Losgehen – und einfach weitergehen. So weit die Füße tragen, vielleicht bis über die Alpen, bis ans Meer. Zumindest für ein paar Tage auf der Höhe. Weitwandern kann viel bedeuten – diese Führer zeigen die Vielfalt dieser Leidenschaft und geben ihr alpine Ziele.

Von Block bis Bigwall

div. Kletterführer

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Gerade bei Kletterführern sind auch Neuauflagen oft wertvolle und sehnlich erwartete Infoquellen. Denn Fels gibt es auf der Welt in Mengen, und mit oder ohne Bohrhaken lassen sich daran immer wieder neue, lohnende Ziele finden.

Iris Kürschner: Oberwalliser Südtäler

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Walliser Südtäler – klingt das nach abgelegenen Zweite-Reihe-Destinationen für Wildnisfans? Gemeint sind aber die zentralen Täler mit den sattsam überlaufenen Hotspots Zermatt und Saas Fee. Doch unweit des Massentourismus findet sich auch dort große Natur – mit viel Hintergrund. Die Alpinjournalistin Iris Kürschner ist eine Überzeugungstäterin. Ihre Magazin-Beiträge (auch in DAV Panorama) und Führer werden von Leidenschaft für die Berglandschaft getrieben. Im Wallis fällt das besonders leicht, denn auch wenn das Matterhorn als Werbe-Ikone missbraucht und abgegriffen erscheint: Seiner Aura kann man sich schlecht verweigern. Und nebendran stehen elegante Traumgipfel wie Weißhorn, Dom, die Monte-Rosa-Kette. Zigtausende Besucher in den autofreien Bergdörfern Zermatt und Saas Fee sind die logische Folge – kann man bei solchem Trubel die Landschaft noch genießen? Man kann, davon ist die Autorin überzeugt. Denn selbst auf berühmten Wegen wie dem Matterhorntrek oder dem Europaweg, die von Touristikern konzipiert wurden, ist kein Gänsemarsch-Erlebnis zu befürchten, und neben diesen hat sie auch Touren in den weniger überlaufenen Teilen des Gebiets aufgenommen. Denn enger wird’s nur in den Zentren; die vielfältigen Landschaften zwischen den Weinhängen des Rhonetals und den Viertausendern bieten genug Einsamkeit und Abwechslung. 

Claudio Locatelli: MTB zwischen Comer See, Valsassina und Val Brembana

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Eine in unseren Breiten wenig bekannte Ecke des oberitalienischen Alpenbogens zwischen Veltlin, Comer See und Poebene beleuchtet der in den Bergamasker Alpen beheimatete Bikeautor Claudio Locatelli. Der italienische Verlag Versantesud hat sich in Fachkreisen einen Ruf für ausgesprochen akribisch recherchierte Tourenführer erworben. Die alpinen Reihen decken Wintersport, Klettern, aber auch Mountainbiken ab. Allen gemeinsam ist, dass als Autoren ausnahmslos ortsansässige Locals zum Zuge kommen, die ihre Heimat wie ihre Westentasche kennen. Manche Führer werden von Autorenteams erarbeitet, immer aber illustrieren eine Fülle guter Fotos die detaillierten Tourenaufzeichnungen und Beschreibungen. Anfangs wurden die Bände noch zweisprachig herausgegeben, mittlerweile sind sie auf italienisch, englisch oder deutsch auf dem Buchmarkt. Beim Lesen wird man geradezu erschlagen von Wissenswertem rund um einen Tourenvorschlag: Infokästen, Textbeschreibungen, GPS-Tracks, Höhenprofile, Fotos, gezeichnete Landkarten. Es ists förmlich zu spüren, wie viel Arbeit im Zusammentragen dieser Infofülle steckt.   Bei all dem einheitlichen Gerüst aller Bände spürt man aber auch die persönliche Handschrift des Autors. Claudio Locatelli, Jahrgang 1958, der in oberitalienischen Bikerkreisen als bekannter Tourentüftler, Bikeguide und Crack Wertschätzung genießt, läst es sich nicht nehmen, seinen Band mit persönlichen Zugaben anzureichern. So stößt man zwischen den einzelnen Tourenbeschreibungen immer wieder einmal auf Lesestücke, die schon in den Rang kürzerer Feuilletons kommen. Einige schreibt Locatelli selbst, andere steuern ihm befreundete Biker aus der lombardischen Szene bei, wie beispielsweise die Bikejournalistin Marzia Fioroni. Locatelli lässt es sich auch nicht nehmen, seinen Band mit einem doppelseitigen Foto zu eröffenen, eine Hommage an den befreundeten und mit 56 Jahren viel zu früh an Krebs verstorbenen Freund Giovanni Giacobazzi, den alle nur Jag nannten und der sich in der über die sozialen Medien eng vernetzten Szene einen Ruf als „verrückter Hund“ gemacht hatte. 

Frank Wippermann: Bergführer Hamburg

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Bergstadt Hamburg? Was ein gestandener Berchtesgadener als Anmaßung empfinden mag, belegt der Autor auf unterhaltsame Weise – und liefert seinen Nordlicht-Kolleg*innen jede Menge Tourentipps an der Waterkant. Es gibt Berge in Hamburg! Mit diesem selbstbewussten Satz beginnt dieser spezielle Wanderführer – und zitiert das Motto der örtlichen DAV-Sektion: "Wir bringen die Berge nach Hamburg". Was gar nicht nötig sei, denn „Berg“ sei ein relativer Begriff, und Hamburg die „steilste deutsche Millionenstadt“ – nirgends ist die gedachte Verbindungslinie vom niedrigsten zum höchsten Punkt so steil.   Nach den üblichen Führerkapiteln zur Geologie und Ausrüstung, Führergebrauch und Naturschutz – durchaus schon mit einer gewissen Selbstironie verfasst – wird es ernst: 80 Tourentipps, die zu 89 Gipfeln führen, sind ausführlich dargestellt. Am Rand des Elbtals finden sich tatsächlich nennenswerte Erhebungen, teilweise aber auch künstlich gebaute Berge, aus Müll oder gar Sand. Spezielle Highlights sind etwa die Überschreitung zweier Rutschen-Brocken auf einem Spielplatz, Bouldern an einem Findling, ein Treppenlabyrinth im Villenviertel oder eine Radrenn-Strecke, die steiler ist als die berüchtigte Auffahrt nach Alpe d’Huez. An der Reeperbahn diagnostiziert der Autor ernsthafte Absturzgefahr, er verzeichnet aber auch den DAV-Kletterturm als echtes alpinistisches Ziel.   Die kürzeste Tour führt zum Hügelgrab Taterberg, mit ganzen zwei Höhenmetern, 100 Metern Strecke und fünf Minuten Gehzeit; die längste Tour dauert auch gerade mal etwa zwei Stunden. Deshalb ist es gut, dass Kombinationsmöglichkeiten angegeben sind, bis hin zur ultimativen Challenge: den „Seven Elb Summits“. Die jeweils höchsten Punkte der sieben Hamburger Verwaltungsbezirke lassen sich „by fair means“, also nur mit Öffis, als Tagestour in 16 Stunden erstürmen (die Hälfte davon Gehzeit) – ein tatsächlich strammes Programm, für das ein ausgetüftelter Zeitplan inklusive ÖV-Verbindungen angeboten wird. Den Abschluss des Buchs bilden ein Gipfel-Gesamtverzeichnis, sortiert nach Höhe, und eine alphabetische Touren-Übersicht mit Eintragungsmöglichkeit für „Bezwingungs“-Datum, Begleitung, Wetter und Stimmung. 

Frank Gerbert: Alpenüberquerungen

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Auf zehn verschiedenen, selbst entwickelten Routen hat Frank Gerbert die Alpen überquert. Wer sich von seiner Begeisterung anstecken lassen will, erhält mit diesem „Handbuch“ sehr gute Planungsgrundlagen. Alpenüberquerungen sind mit das Anstrengendste, was an Wandern denkbar ist“, warnt der Autor gleich im Eingangskapitel. Trotzdem hat er sich immer wieder darauf eingelassen, ja, bezeichnet es als „Spleen“: als „Mittelwert zwischen Marotte und Leidenschaft“. Seit 2003 sind es zehn Routen geworden, die der studierte Geograf selber zusammengestellt und begangen hat und die er in diesem Buch, einer Art Fazit dieser Faszination, beschreibt.   Beim Aushecken dieser Linienführungen war ihm eines wichtig: „Ein Weitwanderweg muss eine einleuchtende Wegführung und außerdem eine Art Seele haben“. Diesen Anspruch lösen seine Kreationen oft überzeugend ein, auch wenn immer wieder Zug-, Bus- oder Bergbahnfahrten nötig sind, um uninteressante oder langwierige Verbindungen zu vereinfachen. Von den Berner und Walliser Alpen im Westen (Thun-Biella) bis zu Ötscher und Hochschwab im Osten (Scheibbs-Graz) decken seine Linien die große Vielfalt der Alpen ab. Sie durchstreifen weniger bekannte Regionen wie Alpstein, Glarner und Tessiner Alpen (Rorschach-Mendrisio) oder Niedere Tauern und Gurktaler Alpen (Mondsee-Bled). Aber der Autor hat auch bekannte Klassiker teils mit eigenen Varianten bereichert: etwa die Linie Neuschwanstein-Garda mit Teilen des E5, oder eine spannende Linie durch Wetterstein, Stubaier, Sarntaler und Dolomiten (Oberammergau-Vittorio Veneto). 

Lois Hechenblaikner: Ischgl

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Tourismus als kapitalisierte Triebabfuhr: Der Tiroler Fotograf Lois Hechenblaikner zeigt Menschen und Berge unter dem Druck des Geldes. Ist das Wohlstand? Im März 2020 machte eine Après-Ski-Bar den Tiroler Spaßindustriepark Ischgl zum „Super Spreader“ des Corona-Virus in Europa. Die Fotografien im neuen Bildband von Lois Hechenblaikner reichen aber viel weiter zurück. Als der Fotograf seine Langzeitbeobachtung des hiesigen Tourismusbetriebs aufnahm, in der Mitte der 1990er-Jahre, lebten die ehemals armen Bergbauernkinder längst im Wohlstand – oder was man so nennt. In der monströsen Architektur des Ortes war ein Monster entstanden: vielgliedrig, vielgesichtig, Täter und Opfer in einem, maßlos, exzessiv und, man muss es sagen, außerordentlich erfolgreich. Getrieben wird es von Geld und Alkohol. Von sehr viel Geld und sehr viel Alkohol. Der gelenkte Kontrollverlust der einen ist dabei der Gewinn der anderen, die die Kontrolle behalten.   Hechenblaikners Fotos zeigen nicht nur eine Rechnung in der „Champagnerhütte“ – drei Flaschen (0,75) Montrachet, zusammen 8770 Euro –, sie zeigen, wie man sich den Sekt auch über nackte Hinterteile schüttet, wie man im Schnee mit Sexpuppen spielt und wie die lokale Geistlichkeit die neue Seilbahn segnet. Scharf und unverpixelt dokumentiert der Fotograf auch die hochkapitalisierte, vollgestellte Berglandschaft. Seit ihrer Gründung im Jahr 1961 zahlt die Silvrettaseilbahn AG keine Dividenden aus. Alle Gewinne werden in die technische Infrastruktur reinvestiert, und so sieht es auf den Bergen aus.   Das Buch von vorn bis hinten anzuschauen, fällt nicht leicht. Ob es den Ischgler Tourismusbetrieb verändern wird? Wozu denn, werden die Ischgler zurückfragen.   Am 18. Mai 2020 meldete die Tiroler Tageszeitung: „Während die Zillertaler Seilbahner heuer Corona-bedingt die Investitionsbremse ziehen, gibt Ischgl trotz internationaler Kritik Gas: Mit 35 Millionen Euro will die Silvrettaseilbahn AG auch ein Zeichen setzen.“ Wofür das Zeichen steht, bleibt angesichts der Bilder in diesem Buch rätselhaft. 

Sebastian Schels/Olaf Unverzart: Été

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Berge ohne Menschen, zum Ersten: Architektur und Landschaft in französischen Skistationen – und wie sie im Sommer aussehen. War es ein Virus? Jedenfalls sind die Wesen, die diese seltsamen Bauwerke in die Landschaft gestellt haben, verschwunden. Was sie zurückgelassen haben, gibt den Aliens, die auf der Erde gelandet sind, Rätsel auf: Was ist hier passiert? Welchen Zweck hat es? Vielleicht nähert man sich dem Bildband „Été“ der Fotokünstler Sebastian Schels und Olaf Unverzart am besten aus dieser Perspektive, gleichsam als Außerirdischer.   Die Aufnahmen, alle entstanden vor der Corona-Pandemie, zeigen Berglandschaften, die vom Wintervirus befallen sind. Mit ihren analogen Plattenkameras reisten die Fotografen im Sommer (frz. Été) durch den Westbogen der Alpen, wo in den 1960er- und 1970er-Jahren eine große Vision von „liberté” und égalité” verwirklicht wurde: Skisport für alle! Hierzulande als „Retortenskiorte” für ihre „Monstrosität” geschmäht, standen die gigantischen Bettenburgen (hier passt der Begriff) in Tignes, Les Menuires, Arc 2000 oder La Plagne für die vom Staat zentral gesteuerte Demokratisierung des Winterurlaubs. Schels und Unverzart zeigen sie im spannenden Wechsel von Totalen und Nahansichten: Architektur, die einmal modern war, entworfen in einer Zeit, als die Eroberung des Weltraums noch ein Traum und die Zukunft ein großes Versprechen war, was Dietrich Erben in seinem sehr lesenswerten Essay erzählt. Man sieht bizarre Gebäude aus Beton, mancherorts mit längst verwittertem Holz verschalt und gebaut für den einen Zweck, große Mengen an Menschen in kleinen (und, wer sie kennt, wirklich nicht luxuriösen) Appartments zu beherbergen. Man sieht Science-fiction von gestern, die ihr Verfallsdatum längst überschritten hat.   Wo der Mensch selbst auf den Bildern fehlt, ist er in seinen Werken umso präsenter. Homo Sapiens überformt die Natur mit seinen Ideen und Ansprüchen und schafft eine Kulturlandschaft, die anregt, über die ihr zugrunde liegende Kultur nachzudenken. Und über die Frage, was mit den bizarren Architekturparks einmal passiert, wenn der Winter in Zukunft einmal so ähnlich aussieht wie der Sommer. 

Matthias Heise/Christoph Schuck: Letzte Bergfahrt

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Berge ohne Menschen, zum Zweiten: Wenn Skigebiete zumachen, geht das Leben in den Alpen trotzdem weiter. Skifahren ist kein Volkssport mehr. Der knallharte Verdrängungswettbewerb schafft einige (fast immer große bis sehr große) Gewinner und viele (fast immer kleine) Verlierer. In letztere Kategorie fallen die sogenannten LSAP, Lost Ski Area Projects: Skigebiete, die den Betrieb eingestellt haben und die sich nun zwischen Abbau, Verfall und touristischen Alternativen neu (er-)finden müssen. Einige Dutzend solcher LSAP gibt es in der Schweiz, für das vorliegende Buch wurden vier ausgewählt; sie liegen in den Kantonen Wallis, Uri und Graubünden und wurden zwischen 2014 und 2018 eingehend untersucht. Hinter dieser „wissenschaftlichen Pionierstudie“ steht die Technische Universität Dortmund, was nur auf den ersten Blick seltsam erscheint. Auch im Ruhrgebiet ist eine Industrie zu Ende gegangen, und warum sollte der Strukturwandel vor den Berggebieten haltmachen?   Drei Hauptgründe nennen die Autoren für den Niedergang: den abnehmenden Stellenwert des alpinen Wintersports zugunsten anderer Freizeitaktivitäten, Probleme der Topografie und des Klimas sowie betriebswirtschaftliche Fehlkalkulationen auf der Basis unrealistischer Erwartungen. Etwas geht zu Ende, etwas anderes kommt. Aber was? Soll man auf kapitalextensive „sanfte” Aktivitäten wie Langlauf, Rodeln und Winterwandern setzen? Investoren von auswärts suchen? Selbst noch mehr Geld reinstecken? Der laufende Betrieb und die ständigen Modernisierungen verschlingen gewaltige Summen, die Ertragslage ist angesichts des Klimawandels und der gesellschaftlichen Veränderungen schon vor Corona mehr als unsicher gewesen.   Die „Letzte Bergfahrt” erklärt Zusammenhänge, Entwicklungen, Abhängigkeiten und Chancen, die sich auch auf andere Alpenländer übertragen lassen: wissenschaftlich-empirisch, in einer klaren Sprache, die sich Emotionalität nicht verbietet. Viele Menschen – Urlaubsgäste, Einheimische und auch die Autoren selbst – erinnern sich ja gern an ihre Schwünge auf den nun aufgelassenen Pisten. Die Fotos illustrieren die Studie kongenial: Sie sind sachlich, schön und frei von jener schicken „Lost Places”-Romantik, die sich in der zeitgenössischen Fine-Arts-Fotografie längst als eigenes Genre etabliert hat. 

Markus Rex: Eingefroren am Nordpol

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Schon vor über 20 Jahren war der Atmosphärenforscher Markus Rex das erste Mal in der Arktis. Damals konnte er im Winter noch über Fjorde spazieren, heute frieren sie nicht mehr zu. Sein Logbuch über die spektakuläre MOSAiC-Expedition erzählt eindringlich vom Klimasystem der Arktis. Der Klimawandel ist mittlerweile in unseren Köpfen angekommen. Nur noch wenige weigern sich, die Anzeichen der Erderwärmung anzuerkennen. Während wir im Kleinen versuchen, unseren Alltag so schonend wie möglich zu gestalten, weniger mit dem Auto zu fahren, mehr auf Mehrweg statt auf Einweg zu setzen, brachen am 20. September 2019 Forscherinnen und Forscher aus 20 Nationen Richtung Nordpol auf, um die großen Zusammenhänge zu verstehen. Denn obwohl der Mensch schon fast jeden Fleck der Erde erforscht und untersucht hat, war die Arktis bisher wie ein blinder Fleck, vom dem wir noch nicht viel wissen. Dabei beeinflusst sie den Klimawandel sehr stark mit – und leidet besonders darunter.   Markus Rex ist Familienvater, Professor für Atmospährenphysik, Leiter der Atmosphärenforschung des Alfred-Wegener-Instituts und leitete die MOSAiC-Exepdition. Er war schon oft in entlegenen Orten der Welt, um unser Klima und seine Prozesse zu erforschen. Bereits einige Male besuchte er die Arktis, aber nie zuvor mit einem solchen Vorhaben wie der MOSAiC-Expedition. Ein Jahr lang ließen sich Rex und sein Team im Eis einschließen, um durch die natürliche Strömung von Eis und Meer Richtung Nordpol zu driften. Ein Jahr lang wurden das Forschungsschiff Polarstern und die Eisscholle, an die sich das Schiff „hängte“, ein Zuhause für hunderte Forscherinnen und Forscher, die das Eis, die Atmosphäre und den Ozean der Arktis untersuchten. 

Arved Fuchs: Das Eis schmilzt

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Einer der bekanntesten Polarreisenden schildert eindringlich die Folgen des Klimawandels – und zeigt, wie wir noch etwas dagegen tun können. „Es geht um nicht mehr und nicht weniger als um einen ökologischen und ökonomischen Neuanfang.“ Das ist das Fazit, das Arved Fuchs am Ende seines Buches zieht – und auch die Lehre aus seiner Lebenserfahrung. Als Reisender immer neugierig, lernte er von den kanadischen Inuit das Gespür für Schnee und Eis und bereiste Jahrzehnte lang die Polarregionen der Erde mit seinem Segelschiff Dagmar Aaen. „Das Eis schmilzt“, so lassen sich seine Wahrnehmungen zusammenfassen; es ist der Titel des Buchs. Eklatantes Beispiel aus erster Hand: Die Nordwest- und Nordostpassage, die er als Pionier ohne Eisbrecherbegleitung durchschiffte, sind heute planbare Ziele für Luxuskreuzfahrten.   Dass diese Eisschmelze aber nur das vielleicht deutlichste Symptom der Klimakatastrophe ist, und dass diese die Lebensgrundlagen der ganzen Menschheit (und der Ökosphäre überhaupt) bedroht, dagegen möchte der von der 68er- und der Anti-AKW-Bewegung der 1970er Jahre geprägte Abenteurer mobil machen. „Es ist die Pflicht des Chronisten, sich einzumischen und zu berichten.“   Das Buch ist eine unterhaltsame Mischung aus Reisebericht, Faktensammlung und politischem Manifest, garniert mit begeisternden, motivierenden und erschütternden Fotos. Sympathisch erzählt Fuchs von seinen Erlebnissen in den großartigen polaren Landschaften. Liefert ordentlich recherchierte Hintergründe, etwa zur Umweltbilanz von Offshore-Windkraftanlagen: Tote Vögel, aber weniger als an Hausfassaden oder durch Klimawandel-Folgen; Störungen der Meeresfauna beim Bau, die aber durch technische Maßnahmen reduziert werden; und dass die künstlichen Inseln im Meer Ansatzpunkt für neues Leben werden, auch durch reduzierten Verkehr und Fischereiverbot. Und er schildert Best-Practice-Beispiele, wo Menschen die Zeichen der Zeit erkannt und ihre Lebensweise und Energieversorgung zukunftstauglich gemacht haben: Die dänische Insel Samsö, die mehr als energieautark ist; das Dorf Hausbay bei Koblenz, das von und mit gemeinsamer Ökoenergieerzeugung bestens lebt; Stadtwerke wie in Oerlinghausen, die in Kraft-Wärme-Kopplung Strom und Wärme aus Biomasse liefern; Island mit einem Komplettmix aus Wind-, Wasserkraft und Geothermie, daraus erzeugtem Methanol und CO2-Bindung an Tiefengestein. Er belegt damit: Es ist möglich, dass wir die Kurve kriegen – wenn wir es wirklich wollen. 

Horvath, Grote, Weiss-Tuider: Expedition Arktis

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Über ein Jahr lang driftete das Schiff Polarstern durch die Arktis, um die Wirkung des Klimawandels auf das vermeintlich ewige Eis zu erforschen. Ein eindrucksvoller Bildband dokumentiert die „historisch größte Arktis-Forschungsreise“. Wir konnten nur sehen, was im Scheinwerferlicht des Schiffes lag oder im Lichtkegel unserer Stirnlampen“, sagt die Autorin und Fotografin Esther Horvath. Vier Monate lang begleitete sie das deutsche Forschungsschiff Polarstern auf seiner Reise im arktischen Eis. Eine wissenschaftliche Reise, die es in solcher Dimension im 21. Jahrhundert nicht gegeben hat. Ein Jahr lang ließen sich Forscherinnen und Forscher aus 20 Nationen, eingeschlossen in einer dicken Eisschicht, von der natürlichen Bewegung des Eises und der Strömung über den Nordpol driften, nahmen Proben und machten Tests, die helfen sollen, den globalen Klimawandel besser zu verstehen.   Abgeschieden von jeglicher Zivilisation begleitet die Fotografin Esther Horvath die MOSAiC-Expedition auf der Polarstern für den ersten von drei Forschungsabschnitten. Ohne Handy- oder Internetempfang und ohne die Möglichkeit schnell noch etwas besorgen zu können, kommt es bei einer solchen Reise auf durchdachte Vorbereitung und absolute Genauigkeit an. Eisige Kälte (sehr) weit unter dem Gefrierpunkt macht den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Expedition zu schaffen, die Fotografin kämpft für jedes einzelne Bild gegen die Temperaturen an, die die Akkus und sogar die Kamera selbst zeitweise lahmlegen. Aber nicht nur die technische Ausrüstung stößt an ihre Grenzen, auch die persönliche Ausrüstung, wie dicke Handschuhe und Schneeschutzbrille, verlangt eine Portion Kreativität, um scharfe Bilder zu bekommen. 

Lana Bragin und Stefan Spiegel: Das Alpenbuch

Bildlexikon

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Alles, was man rund um die Alpen wissen muss. Und zwar nicht in seitenlangen Ausführungen samt theoretischem Unterbau, sondern mit über 1000 Illustrationen und kurzen, verständlichen Texten. Gäbe es den Begriff Serendipität noch nicht, man müsste ihn für dieses Buch erfinden. Serendipität bedeutet, etwas zu finden, ohne danach gesucht zu haben. Und das passiert oft, wenn man das Alpenbuch von Marmota Maps durchblättert. Zu entdecken gibt es viel: Jede der knapp 300 Seiten ist gespickt mit Karten, Grafiken und Illustrationen zu sämtlichen Alpin-Themen. Es erinnert deshalb auch an eins dieser Wimmelbilder, über die sich Kinder stundenlang beugen können. Auf jeder Seite bleibt das Auge irgendwo hängen, schaut, liest, wandert weiter.   Trotz der niedrigschwelligen Aufmachung wirkt das Alpenbuch nie infantil. Ein Grund dafür sind die begleitenden Texte, die zusammen mit den Grafiken den großen Mehrwert bilden. Das Alpenbuch versucht, alle großen und kleineren Themen rund um die Alpen zu berücksichtigen. Das gelingt überraschend gut. Es würde dem Alpenbuch zwar nicht gerecht werden, aber man könnte es auch ein Lexikon nennen. Freilich kein Lexikon im herkömmlichen Sinne, eher eines, in dem man gerne vor- und zurückblättert, hier und da mal hängen bleibt. 

Peter Brunnert: Bernd Arnold. Barfuß im Sand

Biographie

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Wenige Menschen haben das Klettern so geprägt wie Bernd Arnold – aus seiner Domäne Elbsandstein heraus hat er die Freikletterbewegung weltweit inspiriert. Die wichtigsten Jahre, vom Anfang an, zeichnet Peter Brunnert in dieser einfühlsamen Biografie nach. Bernd Arnold ist so einer, den man eine lebende Legende nennen könnte: Mehrere Jahrzehnte lang hat er das Klettern im Elbsandsteingebirge vorangetrieben, mit Riesentalent und brennender Leidenschaft – obwohl er nebenher noch eine Druckerei führte und eine Familie hatte. Peter Brunnert hat in „Ein Grenzgang“ schon eine der spannendsten Episoden seines Lebens geschildert, die Karakorum-Expedition mit einem nur knapp überlebten Unfall. In „Barfuß im Sand“ schildert er den ersten Teil von Bernds Leben, von der Kindheit bis zur Sachsen-Legende.   So bedächtig, wie der Bernd selber als Erzähler ist, lässt der Autor sich die Geschichte entwickeln – eingepackt in eine Rahmenhandlung der persönlichen Begegnungen, in denen die beiden alten Freunde Bernds Leben zum Gesprächsthema machen. Denn auch wenn seine Leidenschaft und sein Ehrgeiz ihn später an die schwierigsten Wände der Welt führen sollten: Seine Heimat im Elbsandsteingebirge hätte er nie aufgegeben, und dort mit Freunden zu sein, war ihm immer genau so wichtig wie seine sportlichen Erfolge. Erlebnisse zu teilen war ihm so wertvoll wie sie selber zu haben. Und ohne ein Netzwerk verlässlicher Begleiter, Helfer und Sicherer wären seine Erstbegehungen kaum möglich gewesen. So wird man auch als Leser von Anfang an Teil dieser großen Seilschaft, angetrieben von einem Vorsteiger mit unendlicher Begeisterung und Tatkraft. 

Carmen Rohrbach: Mein Blockhaus in Kanada

Reisebericht

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Mit fast siebzig Jahren erfüllt sich Carmen Rohrbach ihren großen Traum: einen Winter lang will sie allein in Kanada überstehen. Einfühlsames Reisebild aus wildschöner Umgebung. Es gibt Träume, die hat fast jeder mal geträumt: eine Wüste oder einen Ozean durchqueren, einen Achttausender besteigen oder natürlich: allein sein in Kanada! Der hohe Norden Nordamerikas ist ein Sehnsuchtsort, wild und fast menschenleer. Die Tiere hier sind nicht alle niedlich und süß, es gibt Wölfe und Grizzlybären – und Romantik ist eben immer noch a bissi romantischer, wenn sie mit ein wenig Risiko gewürzt wird. Das Frontier-Feeling der amerikanischen Siedler ist hier noch lebendig, ohne dass man Ureinwohner behelligen oder verdrängen würde: Hier oben war es eben schon immer sehr einsam.   Carmen Rohrbach wurde 1948 in Bischofswerda in Sachsen geboren, ein Fluchtversuch über die Ostsee endete im Gefängnis. Nach zwei Jahren wurde sie frei gekauft, ihre Freiheitsliebe war damit nicht gestillt. Die promovierte Verhaltensforscherin unternahm Weltreisen, immer allein, machte sich über die Jahrzehnte einen Namen als Reiseautorin. Aber ein ganz großer Traum, der war noch übrig: allein in Kanada einen Winter verbringen. Also sucht sie, als gäbe es nichts Selbstverständlicheres, nach einem geeigneten Blockhaus und bricht auf ins Abenteuer. Dass sie zu diesem Zeitpunkt schon fast siebzig ist: Nebensache. Und das abgenudelte Lied "Seht her, eine FRAU, die wilde Sachen macht " gehörte ohnehin noch nie zu ihrem Repertoire. 

David Lama: Sein Leben für die Berge

Autobiographie

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Am 16. April starb Davd Lama zusammen mit Hansjörg Auer und Jess Roskelley beim Abstieg von einer schweren Mixedroute am Howse Peak in Kanada. Er war 28 Jahre alt. Und hat doch in den Annalen des Bergsteigens einen markanten Platz. Mit der freien Begehung der „Kompressorroute“ am Cerro Torre 2012, live gefilmt von einem Team am Gipfel und aus dem Hubschrauber, brachte er einen Höhepunkt der Alpinismusgeschichte in die Öffentlichkeit der Kinos. Er war ein medientauglicher Star und Sonnyboy, er war ein nahezu autistisch konzentrierter Perfektionist, er war ein romantischer Träumer, der in rustikalen und vogelwilden Eskapaden in den hintersten Tiroler Tälern mindestens so glücklich war wie auf dem Weltcup-Siegerpodium.   Zwei Bücher hat David Lama hinterlassen, aufgeschrieben vom Journalisten Christian Seiler. In „High“ schildert er seinen Werdegang vom hochbegabten Wunderkind, über die Arena der Kletterweltcups hinaus in die freie, gefährliche, begeisternde Welt des Bergsteigens. „Free“ beschreibt sein alpinistisches Erwachsenwerden, seinen Reifungsprozess an der Riesenaufgabe Cerro Torre. Wo er zuerst blauäugig, grünschnäbelig in einen Shitstorm läuft, weil sein Kamerateam zusätzliche Bohrhaken setzt. Und wo er beim dritten Versuch im dritten Jahr sein Traumziel in bestem Stil verwirklicht, obwohl direkt vorher eine andere Seilschaft die seit Jahrzehnten umstrittenen Bohrhaken des Erstbegehers abgeschlagen hat. Einige Artikel und Kolumnen aus der Zeit danach runden den dicken Band ab. 

Tom Dauer: Kurt Albert

Biographie

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Er hat den Rotpunkt erfunden und Marksteine des Freikletterns gesetzt. Was für ein Mensch Kurt Albert war, dem spürt dieses Buch mit Feingefühl und Überblick nach – so weit es geht. Allein wegen des vorletzten Absatzes wäre dieses Buch schon lesenswert: „Kurts Leben steht stellvertretend für alle, die mit Lust und Leidenschaft da sind. Die an jedem Tag etwas erleben wollen, das sie nicht vergessen. Denen das Tun wichtiger ist als das Sein, und das Sein wichtiger als der Schein. Die Sinn im Sinnlosen finden und Nebensachen als Hauptsache betrachten. Die sich frei fühlen. Und deshalb frei sind.“   „Frei denken – frei klettern – frei sein“ hat Tom Dauer als Untertitel gewählt für seine Biografie von Kurt Albert, die zum Teil auf Skizzen für eine Autobiographie beruht, und auf vielen Gesprächen mit Verwandten, Freunden, Weggefährten. Kurt Albert hat den Rotpunkt erfunden und damit der weltweiten Freikletterbewegung in den 1970er Jahren ein bis heute gültiges Symbol geschenkt. Den roten Punkt pinselte er an die Einstiege von Kletterrouten im Frankenjura, die er ohne Haken als Kletterhilfe begangen hatte. Von dort trug er ihn in die Berge der Welt, und hinterließ reihenweise Marksteine dieses aufblühenden Sports: Westliche Zinne „Schweizerweg“ rotpunkt, Schüsselkarspitze „Bayerischer Traum“, „Eternal Flame“ am Trangoturm, „Riders on the storm“ und „Royal Flush“ in Patagonien, und viele weitere wilde Wände in den abgelegensten Winkeln der Erde. 

Berge für die Wand

Kalender

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Wessen Leidenschaft für die Berge und alles, was man dort unternehmen kann, brennt, der lässt sich gerne zuhause daran erinnern. Eine kleine Auswahl aus der Vielfalt von Kalendern fürs nächste Jahr – für die eigene Wohnung und natürlich auch als Geschenk.

Marie G. Rohde: Unheimliche Umweltmonster

Umweltbuch

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Der Kampf um die Rettung der Welt als Fantasy Game gegen fiese Monster, die oft im Teamwork Menschen, Tiere und Landschaften zerstören. Eine pfiffige Idee, die auch grafisch ansprechend umgesetzt wurde. „SOS. Unter uns leben Monster … sie verursachen Stürme, lassen Seen austrocknen und vertreiben Tiere.“ Im Fantasy-Stil beginnt dieses Buch: Die Exzesse unseres Wirtschafts- und Lebensstils werden verkörpert durch Gruselgestalten aus den Sagen und Horrorfilmen der Welt. Da gibt es den rüpelhaften Rodungsriesen, die würgende Straßenviper, den breichreizerregenden Smogosaurus, den müffelnden Müll Kong oder die verhängnisvolle Algenplage.   Jedes dieser fiesen Viecher wird auf einer fantasievoll illustrierten Doppelseite vorgestellt: mit einem kurzen Text dazu, woraus das Monster seine Stärke zieht, wie es sich mit anderen verbünden kann und wie es auf uns und die weitere Umwelt einwirkt. Eine kleine Abbildung zeigt das namensgebende Original-Ungetüm, und eine Karte im Videospiel-Look zeigt Icons dazu, wie man das Monster stärken kann – oder auch schwächen. 

Corinna Wieja: Mein grünes Tagebuch

Umweltbuch

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Die (Um)Welt ist bedroht – ja. Man sollte was tun – ja. Dass aus Einsicht auch Taten werden, dazu kann vielleicht dieses Buch beitragen. Einsicht in die Bedrohung unserer Lebensgrundlagen ist das eine. Bereitschaft, selber aktiv zu werden, das nächste. Endlich anfangen, darauf kommt es an. Zum Glück ist das gar nicht so schwer, wie man vor dem Ziel „Rettung der Welt“ fürchten könnte. Schon mit Kleinigkeiten kann man einen Unterschied machen – und viele Kleinigkeiten summieren sich.   Unter dem Motto „Mein grünes Jahr“ hat die Autorin ihr „grünes Tagebuch“ nach Monaten gegliedert und gibt jeweils, passend zur Jahreszeit, Hintergrundinfos, Tipps zu Nachhaltigkeit und Reduktion des Fußabdrucks oder auch ressourcensparende Bastelideen. So geht es im dunklen Januar um Tipps zum Stromsparen, im März (22. März = Weltwassertag) wird Wasser gespart, der Mai bringt Bastelanleitungen für Insektenhotels, im September wird Müll vermieden, getrennt und zu Drachen, Laterne oder Windspiel verbastelt. 

Rachel Ignotofsky: Unser verblüffender Planet Erde

Umweltbuch

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So hätten wir es in der Schule gerne gelernt: Ausgewählte Ökosysteme der Erde und ihre Zusammenhänge, mit klugen Texten und hübschen Illustrationen dargestellt – wer die Erde nicht schon liebt, könnte hier Feuer fangen. Biologieunterricht auf begeisternde Art oder eine Hymne auf die Schönheit der Welt? Dieses Buch ist beides. Welch einzigartige, vielfältige Heimat unser blauer Planet bietet, zeigt die Autorin in sympathischen, fein gearbeiteten Zeichnungen und kundigen Texten.   Im ersten Teil macht sie bio-ökologische Zusammenhänge greifbar und verständlich: Ökosystem, Energiefluss, Taxonomie – wissenschaftliche Fachbegriffe verlieren ihre Sperrigkeit, wenn man eine Stechmücke bei der Arbeit sieht. Das ganz große Herzstück des Buchs sind 33 Doppelseiten zu verschiedenen Ökosystemen der Erde: Redwoodwälder, Great Barrier Reef, die Sahara oder auch die Alpen. Zu jedem sind in einem Einmachglas die Lebensräume und ihre Tierpopulation illustriert, ein Text erklärt die Besonderheiten und Zusammenhänge, und weitere Kästen stellen einzelne Tierarten, Besonderheiten und die „größte Bedrohung“ und „größte Leistung“ dar. In den letzten zehn Kapiteln skizziert die Autorin die Stoffkreisläufe der Erde und den Einfluss des Menschen; dann gibt es noch Glossar und Quellennachweis. 

Esther Gonstalla: Das Klimabuch

Umweltbuch

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Allen Leugnern des Klimawandels möchte man dieses Buch schenken – aber auch denen, die vor der drohenden Katastrophe den Kopf in den Sand stecken möchten. Es zeigt mit gelungenen Infografiken die Zusammenhänge, und dass Rettung möglich ist. „Ich hoffe, das Buch wirkt wie ein Blasebalg, der die legitime Empörung in der Gesellschaft weiter anfeuert und die Allianz mit der Wissenschaft befeuert“, schreibt Prof. Hans Joachim Schellnhuber, einer der anerkanntesten Klimaforscher weltweit und ein engagierter Kämpfer für eine Wende weg von der ungebremsten Klimakatastrophe hin zu einer Welt, in der ein gutes Leben für alle Menschen langfristig möglich ist.   Wer eine Wende will, braucht Informationen. Dieses Buch stellt sie bereit: kompetent ausgewählt, verständlich formuliert, mit attraktiven Grafiken leicht verdaulich und ansprechend präsentiert. In vier Kapitel gliedern sich die 50 Grafik-Doppelseiten: In „Klima und CO2“ gibt es allgemeine Hintergründe: Über Sonnenstrahlung, den Treibhauseffekt, Emissionen und Senken, Kippunkte des Klimasystems… „Klimatreiber Mensch“ klärt über Emissionen von Staaten und Gesellschaftsbereichen auf (etwa dass der weltweite E-Mail-Verkehr sieben Millionen Autos entspricht), über ihre Reduktionsziele und die großen Sünden wie Regenwaldabholzung. Die „Weltweiten Auswirkungen“ sind eigentlich bekannt, hier überzeugend zusammengestellt, von Gletscherschmelze über Wetterextreme und Rückgang der Artenvielfalt bis zu Massenflucht-Bewegungen. Doch es gibt auch „Lösungsansätze“, um die Katastrophen einzudämmen – von den großen politischen Linien bis zu den persönlichen ersten Schritten reichen die vorgestellten Visionen für eine gerettete Zukunft. 

Hagn/Patschorke: Vom kleinen Eisbären …

Umweltbuch

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Die Kinder von heute werden die Folgen des Klimawandels wesentlich härter zu spüren bekommen als wir. Ein hübsches Vorlesebuch bringt ihnen die Zusammenhänge und möglichen Gegenmaßnahmen auf nette Art näher. Der kleine Eisbär lebt am Nordpol und spielt für sein Leben gern Fußball auf dem Eis. Aber in diesem Winter gefriert es nicht richtig, so dass der Tormann einbricht und ins Wasser fällt. Auch das Abendessen schmeckt nicht toll: nur Seetang, denn die Robben erwischt man nicht, wenn es kein Eis hat. Was tun?   Der kleine Eisbär schreibt Briefe an die Tiere in aller Welt: Den Koala, dessen Eukalyptusblätter zu trocken sind, weil er ständig das Licht brennen lässt. Den Truthahn in Kanada, der sich Erdbeeren einfliegen lässt. Den Tiger im Urwald mit seinem stinkenden Motorrad. Den Elefanten, den Hasen, den Pinguin, den Ara – und jedes Tier hat eine Idee, wie es zu weniger warmer Luft beitragen kann. Ob es reicht, damit die nächste Fußball-Wintersaison gerettet ist? 

Neue Kletterführer

Stoff zum Greifen

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Wieder einmal haben sich einige Kletterführer in der Redaktion des Bücherbergs angesammelt – Neuauflagen, teils mit neuem Zuschnitt, und komplett Neues. Ein Überblick.

David Wallace-Wells: Die unbewohnbare Erde

Sachbuch

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"Armageddon kommt, oder ist in vollem Gange…" Akribisch recherchiert und drastisch geschildert macht dieses Buch klar, warum es täglich höhere Zeit wird, endlich weltweit und energisch gegen den Klimawandel aktiv zu werden. "Es ist schlimmer, viel schlimmer, als Sie denken."   David Wallace-Wells, stellvertretender Chefredakteur des New York Magazine, erreichte 2017 mit einer Titelgeschichte über die Folgen des Klimawandels Millionen Leser. Denn er scheut sich nicht, nach gründlicher Recherche die Fakten schonungslos zu präsentieren und dafür markige Worte zu wählen, wie etwa, wir seien "eine Zivilisation, die sich in eine selbstmörderische Gaswolke hüllt, ähnlich einem laufenden Motor in einer verschlossenen Garage."   In diesem Buch breitet er seine Erkenntnisse ausführlicher aus, mit fast 700 Fußnoten geradezu wissenschaftlich exakt dokumentiert. Er belegt die "Elemente des Chaos", die verschiedenen Auswirkungen der Klimakatastrophe: Hitze, Hunger, Ertrinken, Flächenbrand, Wassermangel, sterbende Meere, Seuchen und ähnliches – eine apokalyptisch-bedrohliche Auflistung. Man mag ihm vorwerfen, dass in der Anhäufung von Zahlen und journalistisch geschilderten Schicksalen der Gesamtzusammenhang verlorenzugehen droht. Wenn sein Ziel ist, seine Leser spüren zu lassen, wie vielfältig, umfassend und massiv die Konsequenzen unseres Verhaltens sein werden, erreicht er es gerade dadurch. 

Hartmut Rosa: Unverfügbarkeit

Sachbuch

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"Die Welt ist mir stumm und taub." Depression und Burnout, die Seelenkrankheiten unserer Zeit, drohen ausgerechnet dann, wenn alles erreichbar, beherrschbar, nutzbar ist. Unverfügbarkeit ist der Schlüssel zu heilsamer "Resonanz" – diese These entfaltet der Soziologe Hartmut Rosa in diesem Buch. "Unablässig versucht der moderne Mensch, die Welt in Reichweite zu bringen: Dabei droht sie uns jedoch stumm und fremd zu werden: Lebendigkeit entsteht nur aus der Akzeptanz des Unverfügten." Hartmut Rosa ist einer der inspirierendsten Denker unserer Zeit. Sein Konzept der "Resonanz", des Einswerdens mit einem größeren Ganzen, ist ein heilsames Gegenmodell zum "immer mehr" der Wachstumsgesellschaft.   In diesem "Versuch", wie er das dünne, aber mit Ideen vollgepackte Taschenbuch nennt, analysiert er eine weitere Kehrseite unserer kapitalistischen Gesellschaft: ihre aggressive Grundhaltung zur Welt. "Alles, was erscheint, muss gewusst, beherrscht, erobert, nutzbar gemacht werden." Der Körper muss optimiert funktionieren, die Karriere muss passen, selbst Freizeit und Liebe werden (oft digital) gesteuert, kontrolliert und maximiert. Als Maxime der Wachstumsgesellschaft führt dieser Drang der "Verfügbarmachung" zu den Bedrohungen und Katastrophen, denen wir uns derzeit gegenübersehen.   Den Prozess des Verfügbarmachens unterteilt Rosa in vier "Dimensionen", man könnte auch Schritte sagen: sichtbar machen – zugänglich machen – beherrschbar machen – nutzbar machen. Ziel dieser ständigen Umwandlung von Dingen und Wissen in Mittel zum Zweck sei eine ständig zu steigernde "Weltreichweite". Doch dieses Programm mache uns nicht glücklich, formuliert er dann als Hauptthese – im Gegenteil: "Die … verfügbar gemachte Welt scheint sich uns auf geheimnisvolle Weise zu entziehen und zu versperren … erweist sich als bedroht und bedrohlich gleichermaßen." Frustration und Daseinsangst seien Folgen dieses "Weltverlustes". 

Manfred Folkers, Niko Paech: All you need is less

Sachbuch

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Eine Kultur des „Genug“ – das bedeutet nicht Verzicht, sondern Gewinn an Entspanntheit und Lebensqualität. Und eine Überlebenschance für die überheizte Menschheit. Ein Buddhist und ein Ökonomieprofessor beleuchten diese Vision aus zwei Perspektiven. „Es entspräche einem überfälligen Verständnis von Gerechtigkeit, nicht die Armen durch eine ökologisch ruinöse Aufholjagd an die Reichen heranzuführen, sondern umgekehrt die Reichen auf ein verantwortbares Maß zurückzuführen.“ Niko Paech, Professor an der Uni Siegen, liebt provokante Formulierungen. Mit seiner „Postwachstumsökonomie“ hat er viele begeisterte Anhänger gefunden. Für sein neues Buch hat er sich mit dem Dharma-Lehrer Manfred Folkers zusammengetan – gemeinsam zeichnen sie eine Utopie, die nicht nur als Chance gegen die Klimakatastrophe zu verstehen ist, sondern vor allem als Hoffnung auf ein gelingendes Leben.   „Für Niko ist Suffizienz eine ökonomische Theorie der Genügsamkeit. Für mich besteht das praktische Ergebnis eines achtsamen Lebens in einer Kultur des Genug, die gekennzeichnet ist von Mitgefühl, Zufriedenheit, Integrität und Engagement. Auch in der Betonung der Wichtigkeit des einzelnen Menschen stimmen wir überein, ebenso in der Analyse, dass die Lage der Menschheit brisant ist.“ So skizziert Manfred Folkers in einem einleitenden, moderierten Gespräch die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu seinem langjährigen Freund und Weggefährten. In seinem Beitrag zum Buch macht er klar, dass es ihm vor allem um den Menschen geht – der natürlich in einer überlebensfähigen Welt stehen sollte. „Die Suche nach behutsamen Formen des sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Miteinanders sollte allerdings nicht aus Furcht vor dem Crash, sondern aus der Attraktivität der neuen Perspektive entstehen.“ Die Haltung „genug“ drückt für ihn kein Nein aus, sondern ein Ja.   Folkers verweist auf die „Drei Wege zum Leiden“, die Buddha umschrieben habe mit den Begriffen Gier, Hass und Täuschung. In unserer kapitalistisch-konkurrenzbasierten Wirtschaft findet er diese Phänomene wieder als Wachstum, Wettbewerb und Folgenleugnung. Gegen diese „drei Peitschen des Mehrungssystems“ skizziert er seine Strategien.   Gier macht nicht glücklich, sondern hält gefangen im Hamsterrad des immer-mehr-Wollens. Eine Haltung des „genug“ befreit von diesen gesellschaftlichen Zwängen; der Weg dazu ist vor allem Suffizienz. Konkurrenz sieht den Mitmenschen als Gegner und verhindert Gemeinschaft. Wer in grundsätzlicher Zufriedenheit mit seiner Situation leben kann, hat die Chance, durch Kooperation in Solidarität und Toleranz gute Beziehungen mit seinen Mitmenschen zu genießen. Verblendung entsteht durch Werbung und medialen Druck und entfremdet den Menschen von seinen eigenen Bedürfnissen; durch Achtsamkeit dagegen könne man ein gutes Leben in Bewusstheit und Integrität erreichen.   Für den Weg zum Glück benannte Buddha vier wertvolle Eigenschaften: liebende Güte, Mitgefühl, Freude und Gleichmut. Sie helfen zu einer „persönlichen Balance des Strebens nach Glück und der Einsicht, Teil des Ganzen zu sein“. Und daraus ergibt sich die Antwort auf die Frage nach der Suffizienz: Wer ein „genug“ findet, befreit sich aus Druck und Getriebenheit. 

Marcel Hänggi, Null Öl. Null Gas. Null Kohle

Sachbuch

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Um menschliches Überleben langfristig möglich zu halten, müssen die Staaten das 1,5-Grad-Klimaziel von Paris zu erreichen. Dieses Buch erklärt, warum das so ist, und wie ein politischer Weg dorthin aussehen könnte – den der Autor selber zu bahnen versucht. Viele reden vom Klimawandel (wenn Corona nicht wäre), aber wer tut wirklich etwas ausreichend Wirksames dagegen? Der Schweizer Journalist Marcel Hänggi hat sich engagiert – obwohl er damit gegen den journalistische Leitsatz verstößt, ein Journalist solle sich mit keiner Sache gemein machen, auch nicht mit einer guten. Mit einer einleuchtenden Begründung: „Um es pathetisch zu sagen: Wenn die Sache die Rettung der Welt ist, will ich mich mit dieser Sache nicht nicht gemein machen.“   Sein Weg ist ein Volksbegehren, für das er in der Schweiz bis Anfang 2020 schon über 110.000 Stimmen gesammelt hatte. Die Forderung: Ab 2050 wird in der Schweiz kein fossiler Kohlenstoff mehr in Verkehr gebracht, null Öl, null Gas, null Kohle verbrannt. Der Weg zu diesem Ziel ist nicht festgelegt, da haben Forschung, Technik und Sozialwesen freie Hand für kreative Lösungen. Zur Vermeidung extremer wirtschaftlicher Nachteile sollen Ausgleichsmaßnahmen bestehen.   Weltfremd? Übertrieben? Unzumutbar? Hänggi argumentiert bestens recherchiert und dokumentiert, mit vielen Fußnoten und langem Literaturverzeichnis. Und macht klar, dass die Forderung sogar noch als gemäßigt gelten könnte. Denn der WWF Schweiz hat ausgerechnet, dass die Schweiz schon bis 2038 von Öl, Gas und Kohle wegkommen müsste, um das 1,5-Grad-Ziel des Pariser Klimaabkommens einhalten zu können. Was nichts anderes wäre, als ein völkerrechtlich verbindliches Versprechen einzuhalten.   Dass dies vielleicht nicht zur Rettung der Welt, aber zum Erhalt der menschlichen Zivilisation wie wir sie kennen, eine Mindestanforderung ist, stellt Hänggi im ersten Teil des Buches dar. Darin schildert er den Stand der Klimaforschung und die Konsequenzen von Nichtstun und Zögern. Interessant ist der Einblick in die Hintergründe: Wie etwa die Berichte des wissenschaftlichen Weltklimarates IPCC aus politischen Rücksichten sogar eher zurückhaltend formuliert wurden. Und welche politischen Machtspiele und Leugnungslobbys zu verhindern suchen, dass unsere globale Menschengemeinschaft auf einen Pfad einschwenkt, der ihr gutes Weiterleben ermöglichen würde. 

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