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Bücherberg

Matthias Schickhofer: Schwarzbuch Alpen

Umwelt-Sachbuch

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Befunde und Therapievorschläge: Schickhofer legt nahe, dass die Alpen wieder wilder werden könnten, ohne arm zu werden, und dass beheizte Sessel im Lift nicht die Herzen wärmen. Verursacht das drohende Aus fürs Skifahren durch warme Winter nun eher ein Chaos in der Tourismusbranche oder bedeutet es eine Chance? In Schwarzbüchern werden gewöhnlich Missstände gesammelt und Illegales aufgedeckt. In dieser Hinsicht gehört der Titel eher zu den weniger borstigen Exemplaren. Denn seine Anklage ist weit mehr als eine bloße Schimpfrede. Schickhofer beschreibt zwar einerseits sachkundig und mit Details versehen Kraftwerksplanungen mit zweifelhaftem Allgemeinnutzen und Seilbahn-Ausbaupläne für eine Klientel, die seiner Analyse zufolge schwindet wie die Gletscher um sie herum. 

Marktgemeinde Bad Hindelang (Hrsg): Kühe. Menschen. Berge

Kulturerbe-Doku

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Sie sind kulturelles Welterbe und Projektionsfläche blasser Städter: Die Kuhweiden nördlich und südlich von Bad Hindelang sind bis heute Kleinbetriebe, mit geographischer Schräglage, aber nicht in wirtschaftlicher. Diese Aufstellung zählt jede Kuh. Das, was in vielen Gebieten der Alpen die Almen sind, heißt im Allgäu Alpe. In der Mehrzahl Alpen, was zur Verwirrung beitragen kann. Vermutlich entstammt der Name des Gebirges dieser Bezeichnung. 

Christian Zott (Hrsg.): Heimat? Ammertal!

Tal-Monografie

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Ein Unternehmer finanziert ein Buch über sein Herkunftstal. Ist das ein Ausdruck von Heimatliebe? Oder eines schlechtes Gewissens, fortgegangen zu sein? Vordergründig geht es ums Ammertal. Aber dann doch um Christian Zott, der mit 50 Jahren aus der Führungsposition seines Unternehmens zurücktrat und seinerzeit als Teilzeit-Geschäftsführer durch Europa wanderte. Der in seinem eigenen Verlag diesen Titel in Auftrag gab. Als Autor beauftragt er den Hamburger "World Press Award"-Fotografen Hans-Joachim Ellerbrock, während eines Jahres das Tal und Protagonisten in Wort und Bild zu portraitieren. 

David Boyd: Die Natur und ihr Recht

Umweltplädoyer

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267 Seiten Reportage zum Naturrecht: David Boyd gibt Flechten bis Füchsen mit juristischer Expertise eine Stimme und erläutert anhand von bisherigen Umwelt-Gerichtsverfahren, dass Naturrechte tatsächlich einklagbar sind. David Boyds Fazit ist vorhersehbar und es ist klar: Pflanzen und Tiere besitzen ein Lebensrecht. Das sollte in der Rechtsprechung verankert werden und auf lange Sicht sei das auch für alle Menschen gut.   Es wäre jedoch verkehrt, diese Forderung als Gefühligkeit eines kanadischen Outdoor-Enthusiasten herunterzuspielen. Boyd ist Umweltexperte und Professor der Rechtswissenschaften an der University of British Columbia. Sein Wort hat Gewicht bei Regierungen und seine sauber recherchierten Beispiele wiegen schwer bei jenen, die Menschen als privilegierte Lebewesen der Erde betrachten. 

Werner Bätzing: Die Alpen. Das Verschwinden einer Kulturlandschaft

Illustrierte Dokumentation

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Der "Alpenprofessor" Werner Bätzing als Fotograf - diese Kombination hatte man bisher kaum auf dem Schirm. Doch mit diesem Bildband zeigt er in detailreichen Abbildungen, dass wissenschaftliche Dokumentation anschaulich und spannend sein kann. Dreifaches Alphorntrööt! Die Berge bezwingen? Das machen nicht nur Alpinisten, das ist auch ein Trend in der Hochalpinismus-Architektur. Hütten und hochgelegene Seilbahnstationen wurden über Jahrzehnte mit Natursteinen gebaut oder wenigstens verblendet. Neuerdings werden alpine Bauten als Fremdkörper ins Gebirge gepflanzt. Werner Bätzing dokumentiert diese Entwicklung. Er belegt sie mit zurückhaltenden Fotografien. Er beobachtet die Veränderung in den Alpen seit langem aufmerksam, er ist der kluge Kenner der Kulturlandschaft, erläutert detailliert in ausführlichen Bildlegenden, aber immer so verständlich wie möglich. 

V. Borkmann, S. Rief, S. Strunck: Der Alpentourismus der Zukunft

Sachbuch

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Alpenhotelvisionen 2030: Szenarien für eine künftige Alpenvermarktung aus dem Tourismuslabor. Mehr Chichi statt Ski, mehr Individualität statt Interrrail-Mentalität? Wenn die Bank für Tirol und die Explorer Hotels Entwicklungs GmbH eine Studie in Auftrag geben, dann stellen verständlicherweise Hotelkonzepte das Ergebnis der Untersuchung dar, nicht Zeltplätze. Es bringt aber nichts, solche Partnerschaften zu bejammern. Vielmehr sollten sie und ihre Resultate kritisch zur Kenntnis genommen werden.   In den vorgestellten Szenarien ist glücklicherweise nicht von berggroßen neuen Hotelkomplexen die Rede. Die neuen Hotels heißen "Y", offenbar in Anlehnung an die Zielgruppe, die Generation Y, das bezeichnet die Geburtsjahrgänge 1980 bis 2000, aber auch Menschen, die den Begriff "offline" mit "scheintot" gleichsetzen. 

Sébastien Decad: Viva Montanya

kooperatives Brettspiel

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Auf geht’s! Rama dama! Es ist Frühling, der Schnee schmilzt und Maulwurf, Hermelin, Wasseramsel und Gebirgsmolch kommen langsam aus ihren Winterverstecken. Aber am Hang liegt noch der ganze Dreck, den die Touristen in der Skisaison einfach dorthin geworfen haben. Und der muss weg, bevor der Schnee geschmolzen ist. Also ziehen zwei bis sechs Spieler gemeinsam los und sammeln Müll. Gelingt es ihnen, bevor der Schnee bis hinauf zur Gipfelstation geschmolzen ist, gewinnen sie gemeinsam. Andernfalls verlieren alle. Miteinander statt gegeneinander lautet das Motto.   Jeder wirft in seinem Zug einen Würfel. Erscheint darauf ein Abfalleimer, darf er ein beliebiges Müllplättchen in den dreidimensionalen Abfalleimer werfen. Liegt hingegen die Sonne oben, steigt die Schneegrenze und aus weißem Hang wird grüne Wiese. In den meisten Fällen würfelt der Spieler jedoch das Bild eines Tiers. Jetzt muss er ein Müllplättchen anheben. Befindet sich darunter ein Bild des gleichen Tiers, darf er den Abfall entsorgen. Merkfähigkeiten wie bei Memory sind daher gefragt. Ein Hermelin, das habe ich doch schon gesehen, aber wo war das nur – solche Fragen treiben die Spieler um. Dabei dürfen sie sich gegenseitig helfen und Tipps geben, schließlich geht es ja um das gemeinsame Ziel. 

Uwe Rosenberger: Spring Meadow

Brettspiel

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Wer zuerst zwei Wandernadeln erspielt, gewinnt. Spring Meadow ist geeignet für alle, die auf der Hütte oder nach der Tour noch gerne etwas spielen. Für ein bis vier Spieler ab 10 Jahren. Pro Spieler veranschlagt der Verlag 15 Minuten Spielzeit. Unsere Tester haben deutlich weniger gebraucht, dafür aber öfter gespielt. Schön, wenn sich Brettspiele thematisch mit der Welt der Berge befassen, noch schöner, wenn man sich damit einen richtig netten Abend machen kann. Das ist bei Spring Meadow ganz sicherlich der Fall. Großer Pluspunkt: Der Einstieg ist leicht, Anfängern sind die Regeln rasch erklärt. Das ist wichtig, will man auf der Hütte Mitspieler finden. Thematisch geht es um saftige Bergwiesen und -blumen, die im Frühling den Schnee verdrängen – und um neugierige Murmeltiere, die aus dem Winterschlaf erwachen und aus ihren Löchern kriechen. Daher auch der Name: Spring für Frühling, Meadow für Wiese/Weide. 

Carlo A. Rossi: Mountains

Brettspiel

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Mit der richtigen Ausrüstung auf den Gipfel kommen, das ist das Ziel bei Mountains. Und weil Bergsport oft eben auch Teamsport ist, ist man in einigen Situationen auf die Hilfe der Mitspieler angewiesen. Das heißt: viel Interaktion, und die bringt dann auch viel Spaß an den Tisch. Hier können Kinder ab 8 Jahren mitspielen, denen vor allem die Ausstattung gefallen dürfte, aber auch für ältere Mitspieler ist es kurzweilig und verspricht einen netten Abend. Für zwei bis fünf Spieler. Ein kleiner roter Stempel sorgt für die Belohnung – den Eintrag im Gipfelbuch. Den bekommen die Spieler, die die geforderte Ausrüstung für eine Tour aufbringen. Und das sind die Spielkarten in der eigenen Hand plus die in den Händen der Mitspieler. Wer welche Karten hat, erfährt man erst im Laufe des Spiels, und das sollte man sich dann auch gut merken. Hat mein Gegenüber den Helm oder die Steigeisen? Hat mein Nachbar eventuell eine Trinkflasche gezogen? 

K.+B. Teuber: Catan – Der Aufstieg der Inka

Brettspiel

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Ein Spiel für alle, die an Fernweh leiden oder sich schon auf eine Trekkingtour in den Anden freuen. Thema sind die Aufstiege und Niedergänge der Hochkulturen in Anden, was liebevoll und fantasievoll umgesetzt worden ist. Für drei bis vier Spieler ab 12 Jahren. Interessierte Kinder können aber sicherlich schon ein paar Jahre früher starten. Ein Spiel dauert etwa 90 Minuten – je nachdem, wie lange ein Straßen- oder Siedlungsbau von den jeweiligen Spielern abgewogen wird. Die Siedler von Catan sind ein Klassiker und den meisten der Menschen bekannt, für die Wandern und darauffolgender Spieleabend zusammengehören. Nun gibt es eine neue Version, die ohne Grundausstattung spielbar ist. Der Autor Klaus Teuber ist schon ein paar Jahre von den Hochkulturen in den Anden fasziniert und fragte deshalb seinen Sohn Benjamin, ob der nicht mit ihm ein Catan-Spiel zum Thema entwickeln wolle. 

Gerhard Junker: Blocky Mountains

Geschicklichkeitsspiel

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Eine ruhige Hand und etwas Geduld brauchen die Spieler von Blocky Mountains. Mit Schnur und Stäben manövrieren sie einen Wanderer und einen Bär durch einen Parcours und müssen dabei auch noch den Proviant an die richtige Stelle schieben. Für ein bis vier Spieler ab fünf Jahren, die sich zwischen zwei bis 30 Minuten, je nach Alter auch länger, mit verschiedenen Gipfeln aus Holzsteinen vergnügen können. Die Spieler wandern durch die Blocky Mountains. Es wird geklettert, balanciert und auch gerutscht. Übertragen heißt das: geschoben, gehoben und irgendwie so ein bisschen geangelt. Eine nette Abwechslung zu den traditionellen Brettspielen.   Auch wenn das Spiel schon ab 5 Jahren geeignet ist, ohne ältere Mitspieler geht erst einmal gar nichts, müssen die doch erst einmal die Regeln durchlesen und die Kinder damit vertraut machen. Schritt für Schritt führt die Anleitung an das Spiel heran. Da gilt es erst einmal einen Grundkurs zu absolvieren, in dem gezeigt wird, wie die Wanderer mit verschiedenen Situationen, beispielsweise einem Baumwipfel oder einer Felsspalte, umgehen. Auf alle Fälle ist es bei kleinen Mitspielern ratsam, dass größere erst einmal alleine die Regeln durchlesen und das Spiel schon einmal aufbauen. Dann ist es jedoch rasch erklärt. 

Wanderführer zu fernen Zielen

Wanderführer

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Natürlich sind die Alpen so groß, dass man nie all ihre Wandermöglichkeiten erschöpfen kann. Doch fremde Länder locken, denn dort kann man neben neuen Bergen auch andere Menschen kennenlernen. So sind diese Führer auch immer ein bisschen Kultur-Ratgeber. Von Island bis Neuseeland reicht das geographische Spektrum dieser Reise- und Wanderführer. Zwei Bücher fallen besonders auf: Die „Toptrails Nordamerika“ und „Neuseeland Live“ haben größeres Format und mehr Umfang, das Neuseeland „ComboBook“ integriert zusätzliche Bilder, Videos und GPS-Dateien auf der mitgelieferten SD-Karte. Doch auch bei den anderen Führern sind GPS-Tracks meist downloadbar; im Buch findet man für die Planung Höhenprofile und Karten, die bei Rother dank der Höhenlinien informativer wirken.   Das Format der anderen Führer ist klein und handlich, sie passen gut ins Reisegepäck. Da es in weniger bekannte Regionen als in die Alpen geht, sind die Informationen zu Land und Leuten, Infrastruktur und Besonderheiten im vorderen Teil oft besonders umfangreich. Dann folgen manchmal viele, gelegentlich auch nur zwei, drei Dutzend Tourenbeschreibungen; das sollte aber immer für einen ersten Urlaub reichen – vielleicht sogar für einen zweiten, wenn man auf den Geschmack kommt. 

DAV (Hrsg.): Jubiläums-Tourenbuch

Wander- und Tourenführer

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Das gab’s noch nie: zum 150 Jubiläum des DAV stellen Ehrenamtliche aus seinen Sektionen Lieblingstouren aus ihrer Region oder ihren Arbeitsgebieten vor. Die ganze Vielfalt des Vereins auf 350 Seiten. „Der beste Beweis für die Vielfalt und für die Lebendigkeit des Bergsports im DAV ist dieses Buch“, schreibt der DAV-Präsident Josef Klenner im Vorwort des Buches. Und wo er Recht hat, hat er Recht: Im Jubiläumstourenbuch geht es hinauf auf Dreitausender in den Ötztaler Alpen und vorbei an den schroffen Wänden des Wilden Kaisers, aber auch durch die offene Landschaft der Nordheide, auf den aussichtsreichen Harz und hinab in die Fränkischen Höhlen. Ob gemütlicher Familienausflug, anspruchsvoller Klettersteig, Mehrtagestour, Klassiker oder Geheimtipp – für jeden Geschmack ist etwas dabei. 

Dieter Braun: Die Welt der Berge

Kinderbuch

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Wer beim Stichwort „Berge“ nur an die nahe liegenden Alpen denkt, wird sich wundern, wie vielfältig die „Welt der Berge der Welt“ ist; dieses wunderbare Bilderbuch entführt zu einer fantasievollen Reise in die Unebene. Was ist das überhaupt, ein Berg? Wie wächst und vergeht er? Wer wohnt denn dort? Wie gehen Menschen mit Bergen um? Würde man Kinder ihre Fragen zum Thema „Berge“ formulieren lassen, käme vielleicht so etwas heraus. Und dieses Buch würde die Antworten dazu liefern. Dabei ist es kein Lexikon, eher so was wie eine gedruckte „Sendung mit der Maus“. Der Autor lässt sich treiben, wie ihm die Fragen in den Sinn kommen. Die Themen sind nicht starr gegliedert, Abwechslung regiert: hier ein Berg, da ein Tier, dann eine Sportart, ein Gebirge oder etwas über Gletscher oder Erosion. Jeweils eine Doppelseite beschäftigt sich mit einem Stichwort, zeigt eine formatfüllende Illustration, oft mit hübschen Details, und bringt in knappen, aber prägnanten Texten die wesentlichen Informationen, die gut erklären und vielerlei auch weniger Bekanntes vermitteln. 

Charly Wehrle: 400 Kilometer Heimat

Lesebuch

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Ein etwas anderes Buch vom etwas anderen Wandern: Die Umrundung seiner Heimat Oberschwaben ist für den Hüttenwirt und Autor Charly Wehrle nur Aufhänger für Geschichten zu Land und Leuten. Charly Wehrle hat sich als Hüttenwirt ins Herz vieler Bergfreunde gearbeitet: zuerst auf dem legendären Klettererdomizil Oberreintalhütte, dann auf der Reintalangerhütte am Weg zur Zugspitze, und seit einigen Jahren auf der kleinen Frederick-Simms-Hütte in einem wilden Winkel der Lechtaler Alpen. Seine Bücher über das Leben als Hüttenwirt, über Geschichten rund ums Oberreintal oder auch sein Film über das „Musik-Trekking“ zu seinem Hüttenhelfer und Freund in Nepal haben eine große Fangemeinde. Unprätentiös und auf Augenhöhe schreibt der gebürtige Schwabe, der viel von der Welt gesehen hat und dabei seine Heimat im Herzen trägt. 

Satellitenbildkarte: Nepal

Draufblick

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Die neueste Karte der Satellitenbildwerkstatt albedo39 zeigt das Bergsteiger-Traumland Nepal: als Blick aus dem Weltall. Die Firma albedo39 hat sich auf die Verarbeitung und künstlerische Präsentation von Satellitenbilddaten spezialisiert. Zu ihrem Angebot gehören ein Buch und Kunstdrucke von Satellitenbildern und mittlerweile 20 Karten. Dazu werden Dutzende von Satellitenbildern zusammengesetzt und in der Farbgebung aufeinander angepasst, die Wasserflächen werden lebendig gestaltet, eine leichte Schummerung erzeugt einen Reliefeindruck, und wesentliche geographische Namen sind angegeben. 

Kalender 2019

Bergwelten

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Die Zeit in den Bergen ist wohl die schönste. Aber auch Zeit mit Bergen hat was. Um sich den Gipfeln der Leidenschaft immer nahe und verbunden zu wissen, sind diese spektakulären Wandkalender wertvolle Zeit-Maschinen.

Rudi Hurzlmeier: Land der Berge

Steilwandpoesie

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Die edlen, großen Berge! So edel und groß können sie gar nicht sein, dass man ihnen und ihren Besuchern nicht auch lachend beikommt. Vor allem mit so schrägen Perspektiven wie dieses Buch. Was für ein herrlich verrücktes, irrwitzig schräges, hoffnungslos abgedrehtes „Bergbuch“. Schon der Begriff „Steilwandmalerei“ verspricht so viel wie der rucksacktragende Gipfelstürmerdackel auf dem Titelbild. Rudi Hurzlmeiers farbige Bilder erinnern ein bisschen an seinen österreichischen Kollegen Gerhard Haderer, sind aber im Detail feiner gearbeitet und zitieren auch mal große Meister. Zwischen Absurdistan und Wahnsinn, Kitsch und Karikatur oszillieren die Werke des zweimaligen Deutschen Karikaturenpreisträgers, und man mag sich fragen, aus welchem Material der Spiegel gemacht ist, den er uns Bergfreunden da vorhält. 

Papercraftmountains: Bergmodelle

Basteln/Spielen

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Bergreliefs sind faszinierende Artefakte, die das Regal jeder Bergfreundin aufwerten können. Zwei junge Kartografie-Experten bieten nun Reliefs berühmter Weltberge an – zum Selberbasteln aus festem Karton. Das ist ein ganz besonderes Vergnügen oder Geschenk: den Lieblingsberg selber basteln und von da an immer im Regal haben – ob Matterhorn, Uluru (Ayers Rock) oder Fujiyama. Zwei Brüder aus Stuttgart machen das möglich und bieten ihre Modelle zu verblüffend günstigen Preisen (1,50 bis 6 Euro) an. Die meiste Arbeit muss man natürlich selber reinstecken; aber gerade das kann ja den Reiz ausmachen, wenn unter feinen Fingern allmählich aus flachem Karton ein dreidimensionales, naturnahes Bergrelief entsteht. 

Piotr Karski: Berge!

Kinderbuch

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Ein etwas anderes Kinderbuch, Bergbuch, Bastel- und Mitmachbuch – das den Kolleg*innen von der JDAV so gut gefallen hat, dass sie es allen Kindern und Junggebliebenen empfehlen. Norden – Gipfel – Murmeltier – Wollpullover. Was haben diese Begriffe gemeinsam? Alle haben etwas mit Berg zu tun. Und kommen deshalb in diesem ungewöhnlichen Buch vor, das die Berge von allen Seiten beleuchtet und einen tiefen Einblick gibt.   In verschiedenen Abschnitten bietet es wichtige Infos, regt zum Mitmachen und Ausprobieren an und gibt Tips und Tricks für die großen und kleinen Erlebnisse am Berg: Beobachte das Wetter, schreibe einen Tourenplan und stelle eine Rucksackpackliste zusammen. Lege Wege an, zeichne Wegweiser, lass Wasserfälle und Gletscher entstehen. Geh auf die Piste, lerne Wichtiges über Lawinen und schneide Schneeflocken. Folge der Wolfsspur, fülle dem Bär seinen Bauch und hilf Murmeltieren beim Höhlenbau. Ob das Geheimnis des Yetis gelüftet wird? Das müsst ihr selbst herausfinden.     In diesem vielseitigen Buch dreht sich alles um die Berge dieser Welt; es überzeugt mit seinen Inhalten Flachlandtiroler und Bergfexe gleichermaßen. Und obwohl es eigentlich für Kinder gemacht ist, sind wir von der Jugend im Deutschen Alpenverein überzeugt: Da ist für alle was drin. Für zu Hause, den Urlaub oder die JDAV-Gruppe – jede Menge Anregungen rund um die Erlebnisse in den Bergen. Wir finden: ganz schön viel Berg in einem Buch. 

Irmgard Braun: Tod an der Alpspitze

Bergkrimi

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Der neueste Krimi der Journalistin und Kletterin Irmgard Braun führt in die Gegend um Garmisch-Partenkirchen – und in die menschlichen Abgründe von Stalking, Eifersucht und Eitelkeit. Feinsinnige Spannung in großer Landschaft. Nach zwei Krimis mit der Detektiv-Seniorin Monika Trautner hat Irmgard Braun in ihrem aktuellen Bergkrimi wieder eine neue Besetzung aufgestellt: Jana, eine Grafikerin und begeisterte Kletterin, gerät ins Visier eines Stalkers: Er legt ihr an ihrem Geburtstag rote Rosen auf die Notkarspitze, schenkt ihr die Wunsch-Kletterschuhe, macht aus ihrer Abneigung gegen Gipfelkreuze einen realen Anschlag – und Janas Mann Bruno entpuppt sich als krankhaft eifersüchtig. Dann kommt er bei einer Bergtour auf die Alpspitze auf dramatische Art ums Leben. Der Polizeibergführer Sebastian glaubt wie Jana nicht wirklich an einen Unfall; hat einer von den Begleitern aus der Klettergruppe nachgeholfen? Im Oberreintal und anderen Bergregionen forschen die beiden nach Hintergründen. Zuletzt stellen sie dem Täter eine Falle – die ihnen beinahe selbst zum Verhängnis wird… 

Bingham / Thompson / Wiener: Alpenclub der Tiere

"Kinder"buch

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Wenn Elefant, Löwe und Nilpferd sich unter Führung von vier Bären ans Seil binden, um einen Berg zu erklimmen, kann manches passieren – wie dieses über hundert Jahre alte, topaktuelle Bilderbuch belegt. 1910 erschien „The Animals Alpine Club“ des englischen Kinderbuchautors Graham Clifton Bingham, illustriert von George Henry Thompson. Der Alpinismus war gerade dabei, sich vom Bürger- und Eliten- zum Breitensport zu entwickeln, noch präsent in den Köpfen waren die Bilder von den englischen Touristen, die in Karo und Knickerbocker von eingeborenen Bergführern auf die Zinnen gehisst wurden. Typische Bildmotive der damaligen Zeit wird auch der Illustrator vor Augen gehabt haben, als er seine Seilschaft über Gletscherspalten, zu Alphüttenfest, Sonnenaufgang und Gipfeltanz schickte. Und wenn Hippo und Jumbo ganz oben einen Freudentanz aufführen, während die Führer-Bären sich gemütlich der Vertilgung fester und flüssiger Vorräte widmen und Leo, der König der Tiere, sich nach einem Sturz schon längst aus- und abgeseilt hat: Dann mögen nicht nur Zyniker Parallelen erkennen. 

Christine Scheel, Gerhard Engel: Weitblick

Reise-Essay

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Wenn zwei politisch engagierte und religiös beseelte Menschen ein Buch über eine Alpenüberquerung schreiben, kann es wohl kaum eine schlichte Routenbeschreibung werden. Im Idealfall wird es eine solch engagierte, fachkundige Inspirationsquelle. „Wir bewegen uns im Modus des Flow, in solcher Stimmung ist es Erfüllung zu laufen und in dieser Beschäftigung ganz aufzugehen, mit leichten Gedanken, die fließen wie die Bewegung, locker und zufrieden.“ Christine Scheel, Landtags- und Bundestagsabgeordnete der Grünen, und ihr Mann Gerhard Engel, langjähriger Präsident des Bayerischen Jugendrings, machen jedes Jahr eine Wanderung über die Alpen. 2017 tüftelten sie eine neue Route vom Chiemseezum Lago di Misurina aus: über Kampenwand, Wilden Kaiser, Großvenediger, durchs Gsieser Tal, vorbei an den Drei Zinnen und dem Monte Cristallo – und haben ein bemerkenswertes Buch darüber geschrieben. Denn „über die Berge laufen und Natur erleben … lenkt den Blick über den Tag und uns selbst hinaus“. 

Achill Moser: Unterwegs

Reise-Essay

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„In einer sich immer schneller drehenden Welt brauchen wir Natur als Gegenentwurf und Maß unserer Existenz, als Inspirationsquelle und heilende Kraft“, plädiert der weltgereiste Journalist und Buchautor. Wie das funktionieren kann, vermittelt er glaubhaft und engagiert. „Seit Jahrtausenden gibt es zwischen dem Menschen und der Natur ein unsichtbares Band, eine seltsame Verwandtschaft, ein untrennbares Verwobensein. Die Klippe ist nur: Der Zivilisationsmensch hat sich im Zuge der Industrialisierung und Übertechnisierung von der ursprünglichen Natur immer weiter entfernt. Bei seinem fanatischen Streben nach Wohlstand hat er mit seiner Raubameisenmentalität das Ausschlachten natürlicher Ressourcen unablässig vorangetrieben. … Wir leben in entwurzelten Zeiten und stehen kurz vor dem ökologischen Kollaps. Was für ein Selbstbetrug, was für ein Verrat an uns selbst.“   Als „Weltenbummler und Umtriebiger aus Leidenschaft“ bezeichnet sich Achill Moser selbst; lange hat er mit Nomaden in Asien und Afrika gelebt, wanderte durch 28 Wüsten, berichtete darüber als Journalist, Fotograf und Vortragender. In diesem Buch – ist es eine Art Lebensfazit des gut Sechzigjährigen? – philosophiert er darüber, „warum wir Natur und Wildnis brauchen“, und liefert Beispiele aus packenden Naturlandschaften: Wäldern, Flüssen, Wüsten, Meeren und Bergen. Dicht und präsent, sinnlich greifbar, in gutem Reportagestil beschrieben; und auch wenn die Texte oft zwischen poetisch und pathetisch schwanken, machen sie seine tiefe Empfindsamkeit für die Schönheiten um uns herum nachvollziehbar. Und dafür, wie sie durch unseren rücksichtslosen Lebensstil bedroht sind. 

Nicolas Lätt: Outdoor Kids

Ratgeber

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Wie wird man körperlich und mental fit für das soziale Überleben in einer Raubtier-Gesellschaft? Indem man als Kind aus „Abenteuern“ in der Natur Selbstbewusstsein entwickelt. Dieses Buch will und kann dazu Inspiration und Anleitung geben. „Bushcraft und Abenteuer mit Kindern für jede Jahreszeit“ – der Untertitel des Buches klingt schon ein bisschen arg nach Event und Dollerei, nach professioneller Bespaßung auf Teufel komm raus und nach uns die Sintflut. Das Gegenteil ist richtig. „Was ist das Wichtigste, was Kinder für ihr Leben und ihre Zukunft lernen sollten? Probleme kreativ lösen zu können“ schreibt der Autor ziemlich zu Beginn des Buches, das er mit einem persönlichen Erlebnis beginnt: Als Lehrer war er mit seiner Schulklasse in einer Höhle, auf einen schwierigeren Abschnitt kam nur die Hälfte mit. Er war enttäuscht, doch der Guide sagte, das sei ein guter Wert; in den letzten zwanzig Jahren habe sich die Strecke, die Schulklassen in Höhlen gehen, halbiert. Die Ursachen dafür sieht der Autor in den elektronischen Medien und in der verplanten Freizeit; und daran schuld sei der „Förderwahn“ der Eltern – die Zeit zum freien Spielen fehle den Kindern.   „Kinder lernen am nachhaltigsten, wenn sie etwas selbst entdecken können und ihre Erfahrungen selber machen können – und wenn es ihnen Spaß macht. Beim Spiel in der Natur ist das wie bei keiner anderen Beschäftigung der Fall.“   Dies also ist das Credo des Autors, der als Lehrer, Erlebnispädagoge, Outdoorguide und vor allem als Vater von vier Söhnen viel Erfahrung damit hat, wie Kinder in der Natur etwas erleben und daran wachsen können. Gegliedert nach den vier Jahreszeiten, stellt er dafür eine Menge Ideen vor. Im Frühling beispielsweise Hüttenbau, Feuer machen, Baumklettern, Schnitzen oder Kanufahren. Im Sommer Bachbettwandern, Baden und Wandern. Für den Herbst Radeln, Biwakieren, Laubhüttenbau und Höhlenbegehung. Und im Winter übernachtet die Familie auf einer Berghütte, im Iglu oder in der Schneehöhle. Immer wieder berichtet er von Unternehmungen und Erfahrungen mit den vier Jungs, dann kommen praxisnahe Tipps zum Nachmachen.   Eigentlich ist das meiste ja nicht sehr kompliziert, und selber Ausprobieren und Rausfinden macht sowieso am meisten Spaß. Deshalb konzentrieren sich die Texte auf das, was man nicht so weiß oder kennt, was man gerne vergisst oder was schiefgehen kann. Wer weiß zum Beispiel (noch), wie man eine Weidenflöte schnitzt, einen Löffel ausbrennt oder eine Schneehöhle baut? Zusätzlich gibt es jede Menge kreative Ideen und gute Tipps: zum Beispiel nicht eine ganze Rolle Duct Tape (Reparaturklebeband) mitzunehmen, sondern einfach ein Stück davon um die Trinkflasche zu wickeln. 

Thaller/Schulz: Outdoor against Cancer

Ratgeber

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„Sport ist die beste Medizin.“ Ein banaler Satz? Nie war er so wichtig wie heute. Wie wertvoll Bewegung im Freien sein kann, um sogar mit der Diagnose „Krebs“ fertig zu werden, belegt dieses Buch – eine gelungene Mischung aus Emotion und Information. „Sport ist Mord – an vielen Krankheitsursachen“. Dieses Zitat des Krebsforschers Gerhard Uhlenbruck steht als Motto vor diesem Buch. Einem Buch, dem man eine große Leserschaft wünscht – nicht nur von akuten Krebspatienten. Denn Bewegung, zumal in der Natur, tut jedem Menschen gut. Und so banal dieser Satz klingt, so wichtig wäre ein Mehr an Bewegung in unserer zunehmend sitzenden Gesellschaft. Das ist die Hauptbotschaft dieses Buches, auch wenn es sehr konsequent auf das Thema Krebs fokussiert.   Es beginnt mit einer persönlichen Geschichte: derjenigen der Autorin Petra Thaller, die überraschend mit der Diagnose „Brustkrebs“ konfrontiert wurde. Ungeschminkt und in schlichten, aber eindringlichen Worten erzählt sie ihre Geschichte. Vergleicht die Zehn-Monats-Periode von Diagnose, Operation, Chemotherapien und Bestrahlungen mit ihren zwei Schwangerschaften. Schildert, wie regelmäßiger Sport mit der Familie ihrem Alltag Struktur und ihrer Seele Halt gegeben hat. Und wie parallel zur Therapie die Idee entstand, andere Menschen in ähnlicher Situation zu motivieren, selbst von Bewegung im Freien zu profitieren. Thaller gründete die Initiative „Outdoor against Cancer“; mittlerweile sind schon vierzig Trainer ausgebildet, die in vielen Orten Sportangebote für Krebspatienten organisieren.   In einem zweiten Teil liefert das Buch Wissen und Hintergründe: zur Biologie und Medizin von Krebs und zur Wirkung von Bewegung auf Körper und Seele. Ein Part, der von der Expertise des Kooautors Thorsten Schulz profitiert, Sportbiologe und Dozent an der TU München. Die komplexen Zusammenhänge sind verständlich aufgedröselt, und immer wieder gibt es praxisnahe und lebensgerechte Tipps, wie man auf dieser Basis den eigenen Alltag „gesünder“ gestalten kann. Denn, wie die Autoren klar sagen: „Wer sportlich aktiv ist, hat ein deutlich geringeres Risiko, an Krebs zu erkranken; und wenn es einmal doch zur Diagnose kommt, ist der Sportler perfekt in Schuss für die bevorstehende Therapie.“ 

Ludwig Lau: Spirituelle Auszeit in den Bergen

Ratgeber

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„Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen“ – die Grenzwelt zwischen Erde und Himmel lädt ein zu spirituellen Erfahrungen. Dieses sorgsam gemachte Büchlein gibt Anleitung dazu. „Viele Wege führen zu Gott, einer geht über die Berge“ – wer kennt das Zitat nicht? Auch wenn Spötter ergänzen mögen „ein falscher Schritt genügt“: Tatsache ist, dass man sich auf Bergen dem Himmel ein gutes Stück näher fühlen kann, dass die Begegnung mit Weite und Natur die Seele öffnen kann und dass das Unterwegssein in den Bergen eine Fülle an Metaphern für den Weg durchs Leben bietet. Nicht zufällig haben kirchliche und private Anbieter Erfolg mit Bergexerzitien. 

Viel feiner Fels

Kletterführer

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Unglaublich, wie viel Fels es gibt - vor allem außerhalb Deutschlands. Und wie fleißig die Erschließer und Chronisten immer wieder neue Möglichkeiten auftun. Ein kleiner Ausschnitt aus der Menge der Neuerscheinungen und -auflagen.

Hans Kammerlander

Biographie

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Das Konzept dieses Buches in Interview-Form passt gut zu seinem Thema: Locker und hemdsärmelig erzählt der berühmte Alpinist Hans Kammerlander von seinem Lebensweg, mit allen Höhen und Tiefen. „Im Sommer mussten wir beim Mähen in den Bergwiesen bis ganz nahe an die Felswände gehen, um auch noch den allerletzten Grashalm zu erwischen. Der Vater hat nicht gesagt: Das mach ich selbst. Er hat uns bis ganz nach vorn an den Abhang gelassen, aber klar vermittelt, worauf wir achten müssen. Das war sehr lehrreich.“ Auf einem Bergbauernhof in Südtirol in den 1960er-Jahren hatten Kinder ein hartes Leben.   Doch Hans Kammerlander schaffte den Absprung von Stallarbeit und Brennsuppe. Neben dem Beruf am Bau macht er die Ausbildungen zum Skilehrer und Bergführer – und gerät in die Bergschule von Reinhold Messner. Dessen Förderung – beruflich, mit Ausrüstung und als Mentor – führt ihn in die Berge der Welt, wo sie große Erfolge einfahren; insgesamt stand er auf zwölf Achttausendern.   Aber es gibt auch Negatives, etwa den ungeliebten Buttertee „aus Tee, Milch, ranziger Butter und Salz. Das riecht in etwa so, als ob man aus einem Paar Socken, das man den ganzen Sommer über getragen hat, einen Tee gekocht hätte.“ Und nicht nur Lustiges: Am Manaslu stirbt zuerst Karl Großrubatscher, dann Hans‘ bester Freund Friedl Mutschlechner – ein Trauma, das er erst in einer späteren Lebensphase überwindet. Als die Partnerschaft mit Messner endet, muss Kammerlander seine eigene Geschichte weiterentwickeln. Die Alkoholfahrt mit Todesopfer ist darin der Tiefpunkt, „der größte Fehler meines Lebens“ – auch darüber redet er offen und reflektiert. 

Wozu ein Himmel sonst?

Expeditionsbericht

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Himalayageschichte lebendig gemacht: Texte aus dem Nachlass des berühmten Expeditionsleiters und Filmemachers schildern plastisch die Zeiten, als die Achttausender erstbestiegen wurden. „Lass sie nur reden – nimmer rührt’s den Berg. Doch schauen sollt ich weiter als ich greife. Wozu ein Himmel sonst?“ Das poetische Zitat von Robert Browning gibt den „Erinnerungen an meine Zeit im Himalaya“ von Norman G. Dyhrenfurth den Titel. Zu seinem 100. Geburtstag, den er nur um ein knappes Jahr verpasste, gibt der Tyrolia Verlag die „schönsten unveröffentlichten Texte aus dem Nachlass dieses großen Bergsteigers und Filmemachers“ heraus. Mit wachem Blick, stillem Humor und Interesse an den Menschen beschreibt er darin Erlebnisse und Abenteuer, Katastrophen und Glücksmomente von vier Everest-Expeditionen zwischen 1952 und 1963. Und zwischen den oft nüchternen Zeilen spürt man eine romantische Seele, brennende Leidenschaft und die Liebe zu den Menschen und den kargen Welten Nepals. 

Tommy Caldwell: Push

Autobiographie

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Es ist sicher eines der besten Bergbücher der letzten Jahre. Schonungslos ehrlich analysiert Tommy Caldwell seine psychischen und körperlichen Achterbahnfahrten durchs Leben, die ihn zum prägenden Bigwallkletterer gemacht haben – und zu einem Familienvater. „Der Rhythmus, mit dem man sich in den Bergen bewegt, führt dazu, dass die Ecken und Kanten des eigenen Egos abgetragen werden.“ Solche Sätze liest man regelmäßig in „Push“. Tommy Caldwell hat so viele Routen am legendären El Capitan im Yosemite Valley frei geklettert wie kein anderer, seine „Dawn Wall“ ist die schwierigste Bigwall-Freikletterei aller Zeiten. Aber Heldenposen findet man in seiner Autobiographie nicht. Nur minutiöse Beschreibungen der Anforderungen und seines langjährigen Arbeitens, um diese selbstgestellte Aufgabe zu lösen. Vor allem aber ist das Buch eine durch und durch aufrichtig wirkende Selbsterforschung, eine Analyse der Höhen und Tiefen seines Lebens und der Antriebskräfte, die ihn immer wieder weiter gebracht haben. So präzise, anschaulich und inspirierend geschrieben, im besten angelsächsischen Reportagestil, dass man nur ungern eine Lesepause macht.   Aufgewachsen in einer liebenden, leistungsorientierten Familie (der Vater war als Bodybuilder Mr. Mid-America), entdeckte der kleine, in der Schule eher hinterherlaufende Tommy sein Talent zum Klettern und zu konsequentem Training. Er schildert, wie er als Kletter-Wunderkind seine große Begabung entdeckt: Freiklettern in den Bigwalls des El Capitan. Er berichtet von seinen Problemen, eine Freundin zu finden, und von seinem Glück mit Beth Rodden, die ihm auch in den Bigwalls Partnerin ist. Bei einer Kletter-Expedition in Kirgisistan wird ihr Team von Rebellen entführt – um ihnen zu entkommen, müssen sie sich von ihrem Bewacher befreien:   „Die Kraft in meinem Innern ist zu einem Monster herangewachsen …Mit der Wendigkeit einer Bergziege nähere ich mich Su, pirsche mich lautlos durch die Dunkelheit. … Mein Fuß tritt einen Stein los. Er dreht sich abrupt zu mir um. Unsere Blicke treffen sich. Ich greife nach dem Gurt der Waffe, den er sich über die Schulter gehängt hat. Ich ziehe daran, so fest ich kann, und stoße dann seine Schulter nach hinten. Sein Körper kippt rückwärts in die Dunkelheit, er zeichnet sich im Mondlicht scharf ab. Su stößt einen überraschten, angstvollen Schrei aus. Mit einem abscheulichen, dumpfen Aufprall schlägt er auf einem Felsband auf und stürzt dann in den Abgrund. Einen Augenblick lang höre und spüre ich gar nichts. Dann wird mir schwindlig. … Ich klettere und renne das letzte Stück zum Gipfel hinauf, wo ich allein und keuchend stehen bleibe. Dann sacke ich in mich zusammen und kauere am Boden, mache mich so klein ich kann. Schluchzend wiege ich mich hin und her. Alles, was ich in mir zurückgehalten habe, strömt jetzt aus mir heraus.“   Dann sägt er sich beim Heimwerken den linken Zeigefinger ab. Konsequentes Training und Beths Unterstützung bringen ihn zur alten Leistungsfähigkeit zurück, und die Erkenntnis: „In den schwierigeren Routen sind die Griffe oft so winzig, dass man sie sowieso nicht mit allen vier Fingern greifen kann. Bei diesen Zwei- oder Drei-Finger-Griffen war ich besser als die anderen, denn mehr hatte ich an der linken Hand ohnehin nicht zu bieten.“ Doch dann scheitert die Beziehung mit Beth – auch wenn sich herausgestellt hat, dass ihr kirgisischer Entführer überlebt hatte: Das traumatische Erlebnis konnte Beth nicht überwinden. Die Trennung führt überdies zu einer Krise mit dem Vater, dem stärksten Antreiber und Motivator der Kindheit und Jugend.   Tommy findet ein neues, motivierendes Ziel, die Dawn Wall am El Capitan, unvorstellbar kompakt: „Wenn man sich dem El Capitan nähert, erkennt man immer mehr Einzelheiten, die aus der Ferne betrachtet ineinander verschwimmen. Dem geübten Auge des Kletterers erscheint der Fels allmählich ersteigbar. Die Dawn Wall aber sieht auch aus drei Meter Entfernung immer noch glatt aus, mit nichts, woran man sich festhalten könnte. Erst wenn man nur noch Zentimeter vom Fels entfernt ist, sieht man die Strukturen, die Feinheiten, die Möglichkeiten.“   Was es bedeutet, an derart glattem Fels zu klettern, das schildert er anschaulicher, als es selbst die hervorragenden Filmaufnahmen aus der Epochetour können: „(Kevin Jorgeson) markierte die wichtigsten Unebenheiten mit Magnesia und entwarf so eine mögliche Sequenz. Dann drückte er sanft seine Finger in den Fels, ließ jeden einzelnen Kristall in seine Haut einsinken und überlegte, wie viel Druck er anwenden musste.“   Die Arbeit an der Route gibt ihm ein Ziel im Leben, gleichzeitig verliebt er sich neu, söhnt sich mit dem Vater aus. Natürlich nehmen die Schilderungen der Versuche in der Dawn Wall oder von der epischen Überschreitung des Fitz-Roy-Massivs in Patagonien viel Raum im Buch ein. Doch sie sind in keiner Zeile langweilig, weil sie hautnah vorstellbar werden und weil Caldwell auch immer sein eigenes Seelenleben und die Beziehungen zu seinen Mitmenschen und seiner Umgebung analysiert – mit messerscharfer Wahrnehmung und präzisen Formulierungen.   Ihm auf diesen Wegen durch die Wände und das Leben zu folgen, ist teilweise spannend wie ein Krimi. Und es ist kaum ein Wunder, dass bei solcher Aufgeschlossenheit und Konsequenz auch Erfolge entstehen. Für die Erstbegehung der Dawn Wall wurden Caldwell und sein Seilpartner Kevin Jorgeson vom US-Präsidenten Obama geehrt. Vielleicht wichtiger für Tommy ist aber das Abenteuer, Vater zu werden. Als er seinen neugeborenen Sohn Fitz (benannt nach dem Fitz Roy) im Arm hält, reflektiert er:   „Ich glaube, Beziehungen zwischen Menschen können und sollten dem Prinzip des Abenteuers folgen, nicht beschränkt auf das Klettern, sondern in umfassenderem Sinne: das Unbekannte mit offenen Armen begrüßen. Indem man anderen gegenüber offen bleibt, gewinnt man Wissen hinzu, und die Sicht auf das Leben und die Welt erweitert sich.“ 

Bücher von unterwegs

Reiseberichte

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Beim Gehen rütteln sich die Gedanken zurecht, heißt es. Was haben uns Menschen zu erzählen, die sich auf weite Wanderungen eingelassen haben? Stadtleben mit Beruf und Routine sind fad: raus aus dem Hamsterrad, zu neuen Horizonten – das ist ein Motiv, das viele Weitwanderer eint. „Ich suchte Ruhe und authentische Erlebnisse – aber letztlich suchte ich mich selbst“, so das Fazit von Nina Ruhland, die diesen Bruch wohl besonders intensiv gelebt hat: Sie tauschte ihre Festanstellung gegen die Freiberuflichkeit; als Bergwanderführerin führte sie oft Gäste auf dem E5 von Oberstdorf nach Bozen, der einst ihren Freiheitsbedarf geweckt hatte. Nun widmet sie diesem Prototypen der Alpenüberquerungen eine großformatige Hommage, opulent bebildert vom Fotografen Christoph Jorda. Mit Infos und Wandertipps, Erlebnissen und Porträts. Ob das im Titel beschworene Attribut „Traum und Abenteuer“ heute eher „Alptraum in abenteuerlich überfüllten Hütten“ heißen sollte, darüber mag man gerne diskutieren. Dieses Sehnsuchtsbuch wird sicher nicht dazu beitragen, dass der Rummel nachlässt.   Wer eine stillere Alternative sucht, kann sich von Rainer Barth inspirieren lassen. Der wollte sich zu seinem 60. Geburtstag „ein besonderes Geschenk machen“ und wanderte von seiner Wahlheimat am Bodensee durch seine Lieblingsberge Dolomiten nach Venedig. 600 Kilometer, ein voller Monat, wetterbedingt auch gelegentlich die „Freuden des Talwanderns“ kostend – sehr persönlich erzählt er von den Erlebnissen auf seiner Route, die für Weitwander-Aficionados durchaus eine attraktive Alternative zu klassischen beschilderten Routen sein könnte. Übersichtskarten, Kilometer- und Zeitangaben (im Text und gesammelt am Buch-Ende) erleichtern das Nachvollziehen – dass es aber beim Wandern um mehr als nur das Zufußgehen geht, belegt der Autor mit anregenden Einschüben zu kulturellen Besonderheiten und der Geschichte der durchstreiften Regionen. 

Bücher fürs Unterwegssein

Wander-Führer

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„So weit die Füße tragen“ könnte man als Motto auswerfen für diese jüngeren Neuerscheinungen aus der Rubrik „Trekkingführer“. Mit kleinen Unterschieden in Systematik und Aufmachung, aber alle sorgfältig und mit Sinn fürs Detail gemacht. Ob Deutschland und Alpen, Mitteleuropa, Skandinavien oder jenseits des Großen Teichs: Wer sich auf solche Reisen einlässt, hat nachher sicher was zu erzählen.

Auf zu neuen Zielen

Führer zu Kultur & Co

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Berge sind schön. Sie hinauf und wieder hinunter zu steigen, gibt vielen lebenslange Motivation und Leidenschaft. Dass Berge noch mehr sind, zeigen diese Führer mit etwas anderen Schwerpunkten: Sie erzählen Geschichte/n, führen zu schönen Pflanzen, zu kulturellen oder technischen Sehenswürdigkeiten oder erklären die Geologie, die die Berge entstehen ließ. Nach dem Motto: Wer mehr weiß, kann mehr erleben.

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